Bremen (dpa) - Keine vorgetäuschte Verletzung, keine kuriose Krankheit: Trotz eines Wertverlustes von geschätzten sieben Millionen Euro soll Mesut Özil für Werder Bremen spielen.

Ungeachtet des Transferpokers um den Nationalspieler setzt der Fußball-Bundesligist im Qualifikationsspiel für die Champions League gegen Sampdoria Genua auf den von Real Madrid umworbenen Starspieler. Unmissverständlich sagte Clubchef Klaus Allofs zu einer möglichen Schonung Özils aus finanziellen Gründen: «Das wollen wir nicht.»

Ob der abwanderungswillige Mittelfeldregisseur tatsächlich aufläuft, wird erst mit Anpfiff klar sein. Aber selbst wenn er spielt, bleibt die Frage, wie der 21-Jährige den Wirbel verkraftet. «Das kann den Spieler schon beeinflussen», sagte Allofs zu den möglichen Auswirkungen. «Meine Sorgen sind, dass wir genügend Ruhe haben vor dem Spiel haben. Alle andere Dinge sind nebensächlich.»

Schließlich spielt Werder in den beiden Partien gegen Genua um verdammt viel Geld. «Es ist kein Geheimnis, dass es da um etwa 15 Millionen geht, die man in der Europa League eventuell auch mal verdienen kann, aber nur, wenn man ganz weit kommt», sagte Allofs. «Aber das ist ohne Garantie.» Daher würde Werder auch wohl einen Einsatz von Özil riskieren, obwohl er mit einem Einsatz gegen Sampdoria für keinen anderen Club in der Champions League kicken dürfte und daher für einen Spitzenclub wie Real drastisch an Wert verlöre. «Wenn man Mesut für die Champions League haben will, dann muss man das vor Mittwoch entscheiden», sagte Allofs.

Dass Özil den Club gebeten habe, gegen Sampdoria nicht spielen zu müssen, dementierte Allofs. «Das treibt seltsame Blüten», sagte er zu entsprechenden Meldungen spanischer Sportblätter: «Was die wissen und behaupten, ist abenteuerlich.» Özil selber schweigt seit Samstag.

Einigen Mitspielern geht der Wirbel inzwischen auf die Nerven. «Wir wollen wissen, was da jetzt abgeht», forderte Torwart Tim Wiese: «Da muss endlich Klarheit rein. Das ist ja seit zwei Wochen ein großes Thema.» Aaron Hunt, ein Freund von Özil, zeigte sich hingegen gelassener und sagte: «Ob da jetzt noch irgendeiner wechselt oder nicht, ist zweitrangig.»

Trainer Thomas Schaaf muss nun in der Mannschaft für Ruhe sorgen und zugleich zweigleisig planen. Dass Özil im ersten Training nach dem Pokalsieg gegen Rot Weiss Ahlen zeitweise in den B-Elf spielte, könnte ein Hinweis sein. Fehlen wird auf jeden Fall der verletzte Naldo.