Islamabad/Brüssel (dpa) - Angesichts der immer schlimmeren Ausmaße der Flutkatastrophe in Pakistan hat die EU eine internationale Geberkonferenz vorgeschlagen. Dabei sollen große Geldsummen für den langfristigen Wiederaufbau des Landes gesammelt werden.

Das erklärte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Dienstag. Derweil breiten sich unter den Millionen Flüchtlingen in Pakistan Krankheiten aus, Helfer rechnen mit noch mehr Toten.

«Wir müssen uns darauf vorbereiten», sagte der stellvertretende Regionaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, Abdullah Assaedi, am Dienstag in Islamabad. Die Fluten hätten ein Fünftel der Gesundheitseinrichtungen im Land zerstört oder beschädigt. Hilfsorganisationen fordern mehr Mittel für Notleidende. Ein Fünftel von Pakistan steht nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) unter Wasser. In Deutschland wird nun auch mehr gespendet.

In einem Brief an Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy kündigte Barroso Vorschläge für eine aktivere Rolle der EU bei der Katastrophenhilfe an. Der Kommissionspräsident stellte auch «eine spürbare Erhöhung» der Katastrophenhilfe der EU-Kommission - bisher 40 Millionen Euro - in Aussicht.

Hilfe ist dringend nötig. Der Regionaldirektor des Kinderhilfswerks UNICEF, Daniel Toole, sagte mit Blick auf die drohende Ausbreitung von Krankheiten: «Wir haben nicht Hunderttausende, sondern Millionen Frauen und Kinder, die gefährdet sind.» Auch die ohnehin im Land verbreitete Unterernährung werde nun noch zunehmen.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR warnte, die Lage werde schlimmer. Die Wassermassen verwüsteten auf ihrem Weg nach Süden noch mehr Gebiete und trieben zahlreiche weitere Menschen in die Flucht. Die Bestände an Hilfsmitteln schrumpften. «Wir brauchen mehr Hilfsflüge und massive Mittel, um dieser Krise entgegenzutreten, die sich immer noch ausweitet», forderte die Organisation. Es bestehe die Gefahr, dass die Weltgemeinschaft das Ausmaß der Katastrophe immer noch nicht begriffen habe.

In den Fluten starben bisher fast 1500 Menschen, etwa 20 Millionen sind von der Katastrophe betroffen. Die Behörden riefen am Dienstag zur Evakuierung weiterer Dörfer auf.