Wien (dpa) - Sprachlos vor Begeisterung schaut Christina Stürmer auf ihre Doppelgängerin. Und als die österreichische Popsängerin für die Fotografen bewegungslos neben ihrer Wachsfigur posiert, ist für einen Moment kaum noch klar: Wer ist hier das Original und wer die Kopie?

Bestaunt werden kann das Abbild im Wiener Prater, wo im April 2011 das nunmehr elfte Wachsfigurenkabinett von «Madame Tussauds» eröffnet. Stürmers Wachsfigur, die jetzt nach dreimonatiger Produktionszeit fertig geworden ist, wurde am Dienstag der Presse präsentiert. «Ich finde es toll, dass mir das jetzt passiert ist, weil sich die Figur nicht mehr verändern wird», sagte die 28-Jährige («Nie genug») der Nachrichtenagentur dpa. «So bleibe ich ewig jung!»

Noch mehr freut es die Sängerin, dass sie als einzige lebende österreichische Musikerin für das Wachsfigurenkabinett an der Donau ausgewählt wurde. «Falco wird noch hier stehen und Mozart, aber die gibt es ja leider nicht mehr. Das ist unbeschreiblich, wirklich ein sehr schönes Gefühl, dass ich dafür ausgewählt wurde», sagt sie. Bei der feierlichen Enthüllung waren nur - in wächserner Form - Johnny Depp und Nicole Kidman dabei. Alle anderen Star-Kopien, von Angela Merkel über den Dalai Lama bis zu Quentin Tarantino, sind noch in Arbeit.

An der Entstehung ihres «Doubles» hat die in der Nähe von Linz geborene Künstlerin auch selbst tatkräftig mitwirken müssen: Insgesamt 200 Messungen wurden in den Londoner Studios an ihrem Gesicht und Körper vorgenommen und dann sorgfältig in ein Diagramm eingetragen. Anschließend wurden die passende Augen- und Haarfarbe sowie die genaue Nuance von Stürmers Teint bestimmt. Damit das Ganze möglichst natürlich aussieht, wurde anschließend in mühevoller Kleinarbeit jedes Haar einzeln am Kopf angebracht, erzählt sie.

Die Pose, in der Christina Stürmer dargestellt ist, basiert auf Live-Fotos von ihren Auftritten, die Kleidung durfte sie sich selbst aussuchen. Sie spendierte ein Bühnenoutfit aus schwarzer Popeline-Hose, schwarz-weißem T-Shirt und Turnschuhen. «So möchte ich in Erinnerung bleiben, wenn ich mal uralt bin», meint die Musikerin, die 2008 den offiziellen Song der Fußball-EM - «Fieber» - gesungen hatte.

Auf dem Riesenradplatz im Prater werden noch viele weitere berühmte Österreicher zu sehen sein, von Sigmund Freud über Niki Lauda und Arnold Schwarzenegger bis hin zu Kaiserin Sisi. Auf 3000 Quadratmetern und drei Stockwerken können die Besucher dann auch mit den insgesamt 65 ausgestellten Promis interaktiv in Kontakt treten und etwa mit Audrey Hepburn bei Tiffany frühstücken oder mit «Queen» auf der Bühne stehen und Schlagzeug spielen. Bis zur Eröffnung reist Stürmers Wachsfigur zurück nach London, wo sie sorgfältig aufbewahrt wird.

Wachsfiguren haben im Wiener Prater übrigens Tradition. Schon 1871 eröffnete Hermann Präuscher (1839-1896) ein Panoptikum, das bis zum großen Praterbrand 1945 erfolgreich betrieben wurde. Präuscher wurde oft für die Lebensechtheit seiner Figuren gepriesen - Gerüchten nach soll er Menschen zu deren Lebzeiten ihre Häute abgekauft und sie später ausgestopft haben.