Frankfurt/Main (dpa) - Hunderte Drucker haben gegen die europaweite Vergabe eines Druckauftrags für 1,6 Milliarden Euro- Scheine demonstriert. Vor der Deutschen Bundesbank in Frankfurt verlangten sie am Dienstag eine Beteiligung der Bundesdruckerei in Berlin sowie von Giesecke & Devrient (G&D).

Die wieder verstaatlichte Bundesdruckerei sollte nach der inzwischen angefochtenen Vergabeentscheidung der Bundesbank bei dem Auftrag für den deutschen Bargeldbedarf 2011 erstmals leer ausgehen. G&D sollte den kleinsten Teilauftrag erhalten. Die übrigen Scheine für Deutschland sollten künftig aus Frankreich und den Niederlanden stammen. Die Bundesdruckerei hat dagegen Einspruch erhoben. Die Bundesbank ist für 30 Prozent des Euro-Bargelds verantwortlich.

Vor dem Gebäude der Notenbank versammelten sich laut Verdi rund 250 Beschäftigte aus den Standorten Berlin, München und Leipzig. «Die Bundesbank soll ihre Aufträge erst dann ausschreiben, wenn wir in Europa einen offenen Markt haben», forderte der G&D-Betriebsrat Walter Bogner. Die Arbeiter zeigten Transparente, auf denen unter anderem zu lesen war: «Billiger Euro - teure Arbeitslose» oder «Bundesbank macht Drucker krank».

Man stelle sich gerne jedem fairen Wettbewerb, erklärte ein Sprecher des Unternehmens Giesecke & Devrient in München. Chancengleichheit sei in Europa aber nicht gegeben, solange nur 37 Prozent der Euro-Menge ausgeschrieben würden. In diesem Jahr habe allein die Bundesbank einen Auftrag ausgeschrieben, alle übrigen Notenbanken nicht. G&D druckt nach eigenen Angaben Noten für 60 Währungen weltweit. Die Münchner liefern auch die Spezialpapiere für Geldscheine.

Die Gewerkschaft kritisiert, dass Deutschland bislang das einzige Euroland von Gewicht sei, das seine Druckaufträge international ausschreibt. Diesem Beispiel folgten in Europa bislang nur kleinere Länder, nicht aber die übrigen Euro-Länder mit großen Bargeldmengen. Diese gäben die Aufträge bislang ausschließlich an ihre nationalen Drucker - oder die Zentralbanken haben wie in Frankreich und Italien ihre eigenen Druckereien.

Notenbanken mit hauseigenen Druckereien müssten auch künftig nicht ausschreiben, erklärte die Bundesbank. Dies stehe im Einklang mit den Vergabevorschriften und der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs. An den bislang drei Bundesbankausschreibungen hätten sich aber keine Druckereien beteiligt, die auf ihren Heimatmärkten Aufträge ohne Ausschreibung bekommen hätten. Insofern sei ein fairer Wettbewerb gewährleistet. Die Zentralbank rechnet mit einer rechtssicheren Entscheidung über die Vergabe bis Ende September.