Bremen (dpa) - Am Ende ging alles ganz schnell. Um 14.02 Uhr betrat Mesut Özil das letzte Mal die Werder-Geschäftsstelle, um 15.25 Uhr meldete Werder Bremen Vollzug. Der begnadete Techniker verließ den Bundesligisten einen Tag vor dem Spiel der Champions-League-Qualifikation gegen Sampdoria Genua.

Für eine geschätzte Ablösesumme von 15 Millionen Euro wechselt Özil zu Real Madrid, wo er nach der sportärztlichen Untersuchung einen Vertrag über fünf Jahre unterschreiben soll. Er folgt seinem Nationalmannschafts-Kollegen Sami Khedira, der vor kurzem vom VfB Stuttgart zu den «Königlichen» kam.

«Ich habe den nächsten Schritt in meiner Karriere gemacht. Real gehört zu den besten Mannschaften der Welt», sagte der Fußball-Nationalspieler dem TV-Sender «Sky». Sorge vor einem Scheitern in der Primera Division hat der 21-Jährige nicht. «Überhaupt nicht. Da sind viele Weltstars, darauf freue ich mich. Ich brauche keine Angst zu haben. Ich weiß, welches Potenzial ich habe», sagte er. Ausschlaggebend für die Entscheidung für Real sei das Vertrauen von Madrids Trainer José Mourinho gewesen.

Noch am Vormittag hatte Werder-Clubchef Klaus Allofs ein neues Angebot des spanischen Rekordmeisters dementiert. Doch als der 21- Jährige nicht zum Abschlusstraining für das Genua-Match erschien, war der nächste spektakuläre Verlust der Hanseaten absehbar. «Die Lösung haben wir heute erzielt, ganz einfach, weil Real mehr Geld geboten hat», sagte Allofs, ohne aber Zahlen zu nennen. Ob Diego nun aus Turin zurückkommt, wurde der Werder-Boss gefragt: «Die Gehälter können wir nicht zahlen. So reizvoll es ist, wirtschaftlich ist es nicht möglich.»

«Werder darf den wirtschaftlichen Aspekt nie außer Acht lassen», sagte Werders Clubchef zum Verkauf von Özil, der in einem Jahr ablösefrei hätte wechseln können. Für den hochbegabten Profi mit türkischen Wurzeln, der 2008 für rund vier Millionen Euro von Schalke 04 gekommen war, ist es der nächste große Schritt der Karriere nach zweieinhalb Jahren bei Werder.

Madrids Trainer José Mourinho bezeichnete die Verpflichtung Özils als gutes Geschäft für die «Königlichen». «Er war ein Spieler, dessen Vertrag 2011 ausläuft, deshalb haben wir ihn für einen Preis bekommen, der weit unter seinem richtigen Marktwert liegt», sagte der Portugiese. «Einen Spieler seiner Qualität konnten wir uns zu diesen Bedingungen wirklich nicht entgehen lassen», sagte Mourinho.

Bremens Trainer Thomas Schaaf forderte sein Team auf, den Verlust des Starspielers gemeinschaftlich zu kompensieren. «Wir müssen als Mannschaft stark bleiben», sagte er. Im Kader befänden sich viele Spieler, die Özils Aufgaben übernehmen könnten. Indirekt nannte Schaaf die Nationalspieler Marko Marin und Aaron Hunt.