Hamburg (dpa) - 50 Jahre nach dem ersten Auftritt der Beatles in Hamburg ist am Eingang alles anders: An der Tür des Clubs «Indra» steht am Dienstagabend «Ausverkauft!» - bei den Beatles stand am 17. August 1960 die Tür für Gäste noch weit offen.

Rund 300 - vor allem geladene - Gäste drängten sich am Jubiläumstag in den legendären Räumen auf der Großen Freiheit. Das Publikum der noch unbekannten Liverpooler bestand anfangs vor allem aus Prostituierten und deren Freiern. Gerade mal für etwa eine Stunde soll das Repertoire der Beatles beim ersten Deutschland-Gastspiel gereicht haben, eigene Lieder hatten sie da noch kaum. An diese Zeit erinnerte die US-Band Bambi Kino, die Stücke im Hamburg-Sound am Jahrestag nachspielte.

Zu viert und nicht zu fünft, wie die späteren «Fab Four» in ihrer Anfangsphase, gaben Bambi Kino bei ihrer Show die Stücke von damals zum Besten: keine Beatles-Klassiker, sondern angesagte Tanz-Titel jener Tage wie «Bésame Mucho» oder Chuck Berrys «I'm Talking About You». «So ganz genau kann heute keiner mehr sagen, was die Beatles am ersten Abend gespielt haben», meint Stefanie Hempel, eine Musikerin, die in Hamburg bei Rundgängen Touristen über die Zeit von 1960-1962 erzählt. In diesen beiden Jahren legten die Beatles in den Clubs von St. Pauli den Grundstein für ihre Karriere. Bambi Kino - benannt nach der damaligen Unterkunft der jungen Liverpooler - haben lange recherchiert: Ein Repertoire von etwa 70 Songs ihrer Idole aus den Hamburger Jahren haben sie nun drauf.

Das «Indra» diesmal ausverkauft - aber sonst? Der Auftritt der Band aus New York - bestehend unter anderem aus Musikern von Nada Surf und Maplewood - war die einzige wirkliche Feier in Hamburg am Jahrestag. Von Beatles-Euphorie war in den Straßen rund um Reeperbahn und Große Freiheit kaum etwas zu spüren. Auf dem Beatles-Platz sangen einige Touristen für Kamerateams «Yellow Submarine», andere Fans zogen ins Museum Beatlemania. Dort spielten mehrere Bands, legten DJs auf und konnten sich Besucher den berühmten «Pilzkopf» frisieren lassen. Das Museum hatte extra länger geöffnet, doch der Ansturm blieb aus. Das Gekreische und die Hysterie der Fans war trotzdem noch einmal zu erleben: auf der Leinwand im Museums-Kino.