London (dpa) - Die Deutsche Bahn wird in den kommenden Monaten nach Presseinformationen erstmals einen ICE-Zug durch den Ärmelkanaltunnel nach Großbritannien schicken. Die Testfahrt sei für die zweite Oktoberhälfte geplant.

Das schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ/Mittwoch) unter Berufung auf Unternehmenskreise. Sie bringe die Bahn ihrem seit Jahren verfolgten Ziel näher, eine eigene Verbindung zwischen deutschen Großstädten und der britischen Hauptstadt London anzubieten.

Bisher hat der Zug Eurostar, der gemeinsam von der französischen Staatsbahn SNCF sowie belgischen und britischen Partnern betrieben wird, ein Monopol auf der Tunnelstrecke zwischen Kontinentaleuropa und Großbritannien. Nach Einschätzung der Bahn wäre die Verbindung zwischen dem Ballungsgebiet Rhein-Ruhr und London lukrativ: Allein rund eine Million Passagiere könnten angelockt werden.

Die Verhandlungen um den Zugang zum Tunnel verliefen zäh - vor allem wegen der speziellen Sicherheitsvorschriften in der 50 Kilometer langen Röhre, so das Blatt. Nach einer Vereinbarung zwischen Frankreich und Großbritannien müssen Züge, die den Tunnel befahren, mindestens 400 Meter lang sein, um eine Evakuierung durch die Notausgänge zu erleichtern.

Die ICE-Züge der Bahn sind aber viel kürzer und erfüllen damit die umstrittene Auflage nicht. Erst vor wenigen Wochen hat Jacques Gounon, der Chef des Tunnelbetreibers Eurotunnel, die Vorschriften als "nicht mehr zeitgemäß" kritisiert.