Wörlitz (dpa) - Schon Goethe schwärmte von diesem Ort - und noch immer hat das Gartenreich Dessau-Wörlitz nichts an Faszination verloren. Die Landschaft an Elbe und Mulde in Sachsen-Anhalt bietet lauschige Plätze, hübsche Schlösser, Tempel im antiken Stil, kleine Seen und anmutige Skulpturen.

Das Landschaftskunstwerk wurde von Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt Dessau (1740-1817) in Auftrag gegeben. Alljährlich schlendern eine Million Besucher durch den ersten im englischen Stil errichteten Landschaftsgarten auf dem europäischen Festland. Vor zehn Jahren wurde das Gartenreich in die Liste der Unesco-Welterbestätten aufgenommen, und seither nimmt der Besucherstrom noch zu.

«Man kann grundsätzlich sagen, dass das Gartenreich seit zehn Jahren einen ganz anderen Stellenwert in der Öffentlichkeit hat», sagt der Direktor der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Thomas Weiss. «Wir spielen jetzt in der Championsleague - und nicht mehr in der Regional- oder Bundesliga.» Der Anteil der Gäste aus dem Ausland sei gestiegen. «Man sieht jetzt auch öfter Besucher aus Asien.»

Mit dem Unesco-Welterbe-Status ist auch verbunden, dass größere Einschnitte in die Landschaft unerwünscht sind. «Ich habe den Eindruck, dass diese Welterbestätte in wirklich guten Händen ist», sagt Birgitta Ringbeck, die Beauftragte der Kultusministerkonferenz für das Unesco-Welterbe in Deutschland.

Was für Dresden die Waldschlößchenbrücke war, die das Elbtal den Welterbetitel kostete, könnte allerdings für Dessau-Wörlitz das stillgelegte Kraftwerk im nahen Vockerode werden. Dort plant ein zypriotischer Investor einen Freizeitpark mit Spielbanken. «Wir sollten uns Diskussionen wie in Dresden nicht leisten», meint Weiss.

Vom Aachener Dom bis zum Wattenmeer: 33 Welterbestätten gibt es deutschlandweit, das Bundesland mit der größten Konzentration ist Sachsen-Anhalt. Die Lutherstätten und das Bauhaus sind nicht weit vom Gartenreich entfernt. «Die Vernetzung mit diesen anderen Welterbestätten ist sehr wichtig», sagt Weiss.

Trotz hoher Besucherzahlen plagen die Stiftung finanzielle Sorgen. Der Grund: Das Landschaftskunstwerk ist nicht umzäunt und rund um die Uhr kostenlos zugänglich. Es gibt zwar Automaten, an denen freiwillig ein «Gartenreich-Euro» gezahlt werden kann. Aber so kamen im vergangenen Jahr nur 15 000 Euro zusammen. Dennoch ist der Stiftungsdirektor gegen einen Zaun und Eingangskontrollen.