Paris (dpa) - Die WM-Blamage setzt Frankreichs Fußball weiter heftig zu. Gut eineinhalb Monate nach dem desaströsen Auftreten der «Bleus» in Südafrika entzweien nun die Strafen für vier der Skandalkicker um Bayern-Star Franck Ribéry die «Grande Nation».

Die Sünder selbst reagieren mit Verwunderung und Spott auf ihre teilweise lange Zwangspausen. «Diese Leute sind Clowns. Ich lache mich tot», sagte der zu 18 Spielen Sperre verurteilte Nicolas Anelka über die Verbandsführung.

Die Suspendierung lässt den Stürmer kalt. Das Thema Nationalelf sei für ihn ohnehin erledigt, betonte Anelka, der frühestens 2012 wieder für die Équipe tricolore spielen könnte. Mit seiner wüsten Beschimpfung von WM-Nationalcoach Raymond Domench hatte der 31- Jährige vom FC Chelsea in Südafrika die Undiszipliniertheiten der französischen WM-Stars auf den Gipfel getrieben.

Der wegen Anstiftung zur Meuterei für drei Spiele gesperrte Ribéry kann die Bestrafung nicht verstehen. «Das ist für mich eine große Enttäuschung», sagte der Offensivspieler des FC Bayern in München. «Ich weiß nicht, was da gerade in Frankreich passiert. Was bei der WM passiert ist, haben alle gemacht. Ich verstehe nicht, warum nur fünf Spieler nach Paris mussten», betonte Ribéry. Seine Nationalmannschaftskarriere will er aber fortsetzen. «Natürlich. Das ist keine Frage für mich.»

Neben dem Bayern-Profi, der am Dienstag von einem Anwalt vertreten wurde, waren Anelka, WM-Kapitän Patrice Evra, Jérémy Toulalan sowie Eric Abidal wegen ihrer angeblich führenden Rolle beim WM-Streik zur Anhörung geladen. Evra muss fünf Spiele zuschauen, Toulalan muss einmal pausieren. Nur Abidal kam ohne Strafe davon.

Frankreich debattiert nun über das Strafmaß. Es gibt Zustimmung, aber auch große Empörung. «Das ist ein Massaker!», schimpfte etwa die Profispieler-Gewerkschaft UNFP. Der FFF-Verband habe dem Druck von Medien und Politik «total nachgegeben», hieß es. Eine andere Meinung vertritt der frühere Bayern-Profi und Nationalspieler Bixente Lizarazu: «Der Verband musste einfach durchgreifen, auch für die Zukunft.» Die Sportzeitung «L'Équipe» titelte unterdessen: «Eine harte Hand».

Ribéry wurde von einem Anwalt vertreten, da sein Verein Bayern München ein Erscheinen in Frankreich kurz vor dem Bundesliga-Start untersagt hatte. Anelka präsentierte sich ebenfalls nicht und schickte auch keine Vertretung, was die Herren beim FFF laut Medien «zusätzlich ärgerte». Als Zeugen wurden unter anderem Domenech und der nach der Blamage zurückgetretene Verbandsboss Jean-Pierre Escalettes befragt.