Berlin (dpa) - Die Auseinandersetzungen in der Koalition über das Energiekonzept und die Atomsteuer werden schärfer.

Finanzminister Wolfgang Schäuble wies am Mittwoch Aussagen von Umweltminister Norbert Röttgen (beide CDU) zurück, die Entscheidung über die Belastung der Atomwirtschaft werde um mehrere Wochen verschoben.

Schäubles Sprecher Michael Offer machte deutlich, dass bis zur Kabinettssitzung am 1. September klar sein wird, ob es eine Brennelementesteuer oder eine Vertragslösung mit den Atomkonzernen gibt.

Nicht ausgeschlossen sei, dass Schäuble sich persönlich in die Gespräche mit den Stromriesen einschalte. «Die Brennelementesteuer liegt auf dem Tisch. Parallel dazu gibt es Verhandlungen über alternative Lösungen», sagte Offer.

Röttgen betonte dagegen, die Regierung werde sich «wegen der politischen Relevanz dieser Frage» erst am 28. September - zusammen mit dem Energiekonzept - auch mit der Atomsteuer abschließend befassen. «Das begrüße ich, das halte ich auch für vernünftig.» Grundsätzlich gilt, dass ein Gesetz nach einem Kabinettsbeschluss meist mehrfach verändert wird, bis es endgültig in Kraft tritt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte zum Auftakt ihrer «Energie-Reise», Atomkraft werde als Brückentechnologie gebraucht. Die Windkraft sei im Aufwind: «Aber noch brauchen wir natürlich Brücken», sagte Merkel mit Blick auf Kernenergie, Kohle und Gas.

Aktuell hält die Regierung noch an der im Juni auf der schwarz- gelben Sparklausur verabredeten Atomsteuer fest, die ab 2011 jährlich 2,3 Milliarden Euro einbringen soll. Das Finanzministerium verschickte jetzt an die anderen Ressorts einen Gesetzentwurf für die «Kernbrennstoffsteuer», der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.