Berlin (dpa) - Dass in Berlin kein Aufsehen um Hollywoodstars gemacht wird, ist nur ein Gerücht. Selten ist es am Potsdamer Platz so voll. Dicht gedrängt warten die Fans am Mittwochabend auf Angelina Jolie (35). Mädchen kreischen.

Hollywoods amtierende Glamourkönigin kommt ohne Brad Pitt (46). Dafür ist bei der Premiere von Jolies neuem Film «Salt» ihr deutscher Leinwand-Ehemann August Diehl (34) dabei. Zwei der sechs Kinder, die kleinen Zwillinge Vivienne und Knox, sind mit Berlin, aber nicht bei Jolie im Schlepptau. «Brad muss arbeiten, er ist deshalb zu Hause bei den anderen Kids», erzählt sie.

Von weitem sieht das Tattoo auf ihrem Oberarm aus wie ein verlaufener Stempel, sonst ist es ein makelloser Auftritt. Sie trägt ein bodenlanges schwarzes Abendkleid, gibt geduldig Autogramme, nimmt sich Zeit für Fragen. Dass weltweit Männer für Jolie schwärmen? Egal, so lange Brad sie unwiderstehlich findet. Jolie kann sich vorstellen, wieder in Berlin zu wohnen, wenn ein neuer guter Film anstünde, sagt sie. Dieses Mal ist keine Zeit für Sehenswürdigkeiten.

Die Amerikanerin beherrscht das Hollywood-Handwerk, verbindlich zu sein und zugleich nicht zu viel preiszugeben. Die Schlagzeilen des Boulevards ignoriert Jolie - sagt sie zumindest auf der Pressekonferenz. «Ich lese keinen Klatsch.» Für ihre Kinder würde sie noch härter kämpfen als die CIA-Agentin Evelyn Salt in dem Spionagethriller. Zu den Flutopfern nach Pakistan reisen will die UN- Botschafterin, wenn sie sicher ist, dass sie dort nicht im Weg stehen würde.

Deutschland findet Jolie familienfreundlich. Aufgefallen sind ihr das gesunde Essen, das Holzspielzeug und dass auf Kinder geachtet werde. «Deutschland ist ein wunderbarer Ort für Kinder.» Vor zwei Jahren drehte Pitt in Babelsberg mit Quentin Tarantino «Inglourious Basterds» und das Paar residierte am Wannsee. Die Aufregung um «Brangelina» war auf dem Zenit. Auch diesmal kann Jolie Berlin ins Fieber versetzen. Schon nachmittags hängt vor dem Hotel Adlon eine Traube Menschen.

«Die kann schon was, sonst wäre sie nicht da, wo sie ist», sagt Regisseur Leander Haußmann am Abend. TV-Kritiker Oliver Kalkhofe findet den Film «sehr unterhaltsam», auch wenn er Logiklöcher «so groß wie die Sowjetunion» ausgemacht hat. «Er macht großen Spaß, aber man darf nicht fragen, warum.» Eine Zuschauerin vermisst im Thriller den Humor. Jungschauspieler Kostja Ullmann sagt, der Film sei «wahnsinnig spannend» gewesen, und ist stolz auf seinen Kollegen August Diehl.

In dem am Donnerstag angelaufenen Thriller von Phillip Noyce («Das Kartell», «Der stille Amerikaner») spielt Jolie - mit diversen Perücken - eine knallharte Agentin, die verdächtigt wird, eine russische Spionin zu sein. Eine spektakuläre Flucht beginnt, auf der Jolie zahllose Widersacher tötet, auf fahrende Laster springt und mit Maschinengewehr, Elektroschocker und Granaten hantiert.