Berlin (dpa) - Zuerst herrschte ein gepflegtes Misstrauen. Eine Castingshow? Dabei wollte sie doch nie wieder Fernsehen machen. «Zuerst habe ich gedacht: Welchen Beitrag kann ich leisten? Was können meinen Kollegen dazutun?

Was Vox?», erinnert sich Popsängerin Sarah Connor an die erste Begegnung mit den Verantwortlichen des Privatsenders Vox. «Ich bin mit verschränkten Armen in das Meeting gegangen. Aber dann wurde ich positiv überrascht.»

Die 30-Jährige ließ sich überzeugen und erklärte sich bereit, bei der neuen Vox-Castingshow «X Factor» in der Jury mitzumachen. Neben ihr werden der Jazztrompeter Till Brönner und ihr Produzent George Glueck sitzen. Auch Brönner musste den Sinn des TV-Experiments hinterfragen. «Wir haben versucht, aus dem Sender herauszukitzeln: Will er uns verändern, in Rollen packen, was ich nicht mitgemacht hätte. Oder will er uns so lassen, wie wir sind?»

Alle Bedenken, fassen die beiden zusammen, wurden zerstreut. Vox sei anspruchsvoll, betont Connor. Für Fernsehzuschauer, die Krawall und Trash wie so manches Mal bei der RTL-Suche nach dem «Superstar» mögen, ist der «X Factor» wohl nicht geeignet. Die Show beginnt mit einem Doppelschlag an diesem Freitag und Samstag (jeweils 20.15 Uhr) auf RTL, um das Format vor möglichst großem Publikum einzuführen. Dach wird der Schwestersender Vox immer dienstags um 20.15 Uhr zeigen, wie die Jury die Kandidaten siebt.

Doch allein die Rolle Daumen hoch und Daumen runter soll nicht genug sein für Connor, Glueck und Brönner. Sie werden im Laufe der Staffel zu Mentoren der Kandidaten und somit zu Konkurrenten unter sich. 19 000 Menschen bewarben sich in Deutschland für die Show, die seit ihrer Erstaufführung in England vor zwei Jahren in 18 Länder exportiert wurde und als bekanntesten Star die Popsängerin Leona Lewis hervorbrachte.

Die Suche findet auf verschiedenen Ebenen statt. In Kategorie eins buhlen Kandidatinnen und Kandidaten, die alle Solist werden wollen, im Alter von 16 bis 24 Jahren miteinander. In Kategorie zwei stehen sich auch Solisten gegenüber - sie aber haben das Mindestalter von 25 Jahren - nach oben ist die Skala offen. Gleiches gilt auch für Duos oder Gruppen, die mindestens 16 Jahre alt sein müssen, aber nach oben gilt wiederum keine Beschränkung. Zum Schluss aber treffen die besten aus jeder Kategorie aufeinander, denn als Sieger kann es nur einen geben. Und der bekommt - ganz ähnlich wie in anderen Castingshows - einen Plattenvertrag bei einem großen Musiklabel.

Dass alles mit rechten Dingen zugeht, dafür steht auch Vox- Geschäftsführer Frank Hoffmann ein. Er kennt nach eigener Aussage Sarah Connor schon lange, «noch bevor sie die erste Note veröffentlicht hat», sagt er. Und als Connor ihre erste CD herausbrachte, sei er «von den Socken gewesen». Connor legt Wert darauf, dass die Talente in der Show nicht «aufgeschlitzt, geröntgt und exekutiert» oder mit Homestorys vor der Kamera «ausgezogen» werden - so, wie es ihr schon das ein oder andere Mal selbst ergangen ist.