Berlin (dpa) - Es gibt ihn noch, den Liedermacher. Der auf Deutsch singen kann, ohne dass es peinlich ist. Der Lieder über Alltägliches schreibt, ohne dass es unecht wirkt. Gisbert zu Knyphausen gilt als der Shooting-Star des deutschen Indie-Pops.

Er wurde von Kritikern zum «Songwriter der Nation» erkoren. Als Liedermacher wurde er schon mit Größen wie Reinhard Mey verglichen. Er wird gefeiert. Aber es scheint, als fühle sich Knyphausen nicht ganz wohl dabei.

Für das Schreiben seiner Lieder nimmt sich Gisbert zu Knyphausen viel Zeit. «Es ist eine sehr lange Suche.» Gedanken, die er hat, schreibt er auf Zettel, in Notizbücher. «Ich puzzle die Worte über Tage, Wochen, manchmal Monate zusammen.» Hinter simplen Titeln wie «grau grau grau» verbergen sich lyrische Texte: «Bevor das grau grau grau sich hier festbeißt/und sich langsam durch meine Adern schiebt/durch meine Adern drängt und sich dann festbeißt/will ich einmal noch am Ufer stehen und schauen/schauen wohin die Schiffe fahren.»

Die Lieder von Knyphausen erzählen alle von seinem eigenen Leben. Und doch kennt man es selbst, das Heimweh, die Wehmut und Sehnsucht im trüben Alltag. Selbst der Schmerz nach dem Verlust eines geliebten Menschen klingt vertraut: «Und so wie es war, soll's nie wieder sein/so wie es ist, darf's nicht bleiben/und wie es dann wird, kann vielleicht nur der bucklige Winter entscheiden/Aber wir sehen uns wieder, ganz bestimmt, irgendwann.»

Bei Knyphausen schwingt in den Songs ein melancholischer Grundton mit. «Das kommt automatisch, dass wenn ich eine Gitarre in die Hand nehme, etwas Trauriges rauskommt», sagt Knyphausen. Dabei sei er doch auch ein heiterer Mensch. «Die melancholische Seite in mir ist eigentlich nur ein Teil meiner Persönlichkeit.»

Einfach war es für Knyphausen nicht, Musiker zu werden. Sein voller Name lautet Gisbert Wilhelm Enno Freiherr zu Innhausen und Knyphausen. Der Vater ist Winzer im Rheinland und hatte für seinen Sohn eigentlich eine andere Karriere vorgesehen - als Banker oder Jurist. Stattdessen aber entschied sich der Sohnemann, Musiker zu werden, wenn auch mit Umwegen: Gisbert zu Knyphausen probierte es mit Schauspiel, mit Regie und dann mit Musiktherapie. Sein Studium hat er nicht beendet, weil er dann lieber Musik spielen wollte.

Vielleicht erklärt das teilweise, warum Knyphausen nicht ganz glauben kann, dass er jetzt so beliebt ist. «Es hat mich schon überrascht - alles, die ganzen positiven Reaktionen», sagt er. Dieses Jahr, pünktlich zu seinem eigenen 30. Geburtstag, kam die zweite Platte («Hurra! Hurra! So nicht») heraus, zwei Jahre nach der ersten. Keine allzu lange Zeit. «Ich brauche Deadlines, um den Arsch hoch zu kriegen», sagt er und lacht schüchtern. Überhaupt ist Knyphausen zurückhaltend. Er hätte sich einfach nicht träumen lassen, dass er als Liedermacher so ankommt, meint er bescheiden. «Ich dachte, ich würde viel mehr Kritisches hören.»