Madrid (dpa) - Mesut Özil ist bei Real Madrid noch ohne Rückennummer, aber er gehört schon fast zur Stammelf. Nur einen Tag nach seinem Wechsel zum spanischen Rekordmeister durfte der Ex-Bremer in einem Trainingsspiel gegen die Reservisten gleich mit den Stars in einem Team spielen.

Nach 15 Minuten lag die Elf des deutschen Fußball-Nationalspielers mit den Stars Cristiano Ronaldo und Weltmeister Xabi Alonso 3:0 in Führung. Der Rest der Partie fand hinter verschlossenen Türen statt. Özils Landsmann Sami Khedira musste bei den Reservisten spielen. «Es sieht so aus, also sollte Özil einer der Grundpfeiler im Team der Weißen werden», schrieb die staatliche Nachrichtenagentur EFE. «Trainer José Mourinho hat ihn anscheinend dafür vorgesehen, den entscheidenden Pass zu spielen.»

Der 21-Jährige hatte am Vortag bei seiner Vorstellung das Blitzlichtgewitter der Fotografen im Stil eines Routiniers über sich ergehen lassen. Eine gewisse Unsicherheit in der neuen Umgebung war ihm aber doch anzumerken. Auf seiner ersten Pressekonferenz im Bernabéu-Stadion war er sichtlich bemüht, nichts Falsches zu sagen. «Für mich ist Real Madrid der größte Verein der Welt», betonte er mehrfach. Fast schien es so, als hätten irgendwelche Berater ihm diesen Satz eingetrichtert.

«Özil ist sehr schüchtern», sagte ein Real-Vorstandsmitglied. «Bei seiner Ankunft in Madrid wirkte er erschöpft und desorientiert.» Offen und gelöst antwortete er auf die Frage, ob er als Muslim die Regeln des Fastenmonats Ramadan einhalte und ob dies seine Leistungsfähigkeit schmälern könne. «Aufgrund meines Berufs kann ich den Ramadan nicht mitmachen», sagte der - aus Gelsenkirchen stammende - Sohn türkischer Eltern. «Ich tue dies in meiner Freizeit. Aber wenn man für Real Madrid spielen will, muss man viel essen und trinken.»

Özil bekam regelrecht leuchtende Augen, als Reals Generaldirektor Jorge Valdano ihn in den «Saal der Trophäen» führte und ihm die neun Europapokale zeigte, die die «Königlichen» gewonnen hatten. Die ruhmreiche Vergangenheit der Clubs bedeutet eine enorme Belastung für jeden Spieler, der neu nach Madrid kommt. Denn nicht nur die Fans, sondern auch die Vereinsführung verlangen immer neue Titel.

Gleich nach der Unterzeichnung seines Sechsjahresvertrags und der Pressekonferenz nahm Özil erstmals am Training teil. Das Sportblatt «As» beschrieb seinen Einstand mit den Worten: «Er kam, er unterschrieb, er trainierte.» Bis er eine Rückennummer bekommt, wird er sich aber noch ein paar Tage gedulden müssen. Die Nummern von 1 bis 25 sind derzeit alle vergeben. Die «Königlichen» wollen jedoch einige Spieler aus ihrem Kader von derzeit 26 Profis abgeben.

Dann könnte Özil zum Beispiel die Rückennummer «23» von Rafael van der Vaart oder die «6» von Mahamadou Diarra bekommen. Beide gelten als erste Kandidaten für einen Vereinswechsel. «Es wäre traumhaft für Özil, wenn er die '10' von Lassana Diarra übernehmen könnte», meinte «As». Der Franzose hat seinen Platz im Real-Kader ebenfalls nicht sicher.