Bremen (dpa) - Dass Thomas Schaaf bei der Bitte um Einzelkritik freundlich lächelt und einen Spieler ausgiebig lobt, das ist fast so selten wie eine Trainerentlassung in Bremen. Bei Aaron Hunt machte der Werder-Coach eine Ausnahme.

So erhielt der starke Nachfolger des nach Madrid verkauften Mesut Özil nach den Ovationen der Fans auch noch ein geradezu schwärmerisches Sonderlob von Schaaf. «Aaron kann genauso Dinge inszenieren, das wissen wir nicht erst seit heute», urteilte der Bremer Fußball-Lehrer nach dem 3:1 (0:0) gegen Sampdoria Genua: «Er hat schon öfter bewiesen, dass er hervorragende Fähigkeiten hat. Es freut mich, dass er das wieder getan hat.»

Die neue Werder-Zehn sorgte im Hinspiel der Qualifikation zur Champions League dafür, dass niemand Özil vermisste. Auch wenn Schaaf das so nie sagen würde. «Das ist nicht der neue Özil, sondern der alte Hunt», formulierte der Werder-Coach seine Sichtweise. Direkte Vergleiche von Spielern mag der Trainer noch viel, viel weniger als öffentliche Einzelkritik.

Giampaolo Pazzinis Kopfball in der 90. Minute des 15-Millionen-Euro-Playoffs könnte im schlechtesten Fall das teuerste Gegentor der Werder-Vereinsgeschichte werden, doch trotz des unnötigen wie ärgerlichen Treffers herrschte nach dem ersten Spiel ohne Özil gute Laune an der Weser. Hunts starke Vorstellung auf der Zehner-Position war dafür ein wesentlicher Grund.

Aber es war nicht der einzige. Vielmehr erwies sich das gesamte Werder-Mittelfeld auch ohne Özil als Kraftzentrums des Bremer Spiels. Zu viert ließen die Spieler der Werder-Raute dank ihrer Power keine wehmütigen Gedanken an den begnadeten Neu-Madrilenen aufkommen.

«Ich habe ihn heute nicht vermisst, weil die Mannschaft gut war», fasste Clubchef Klaus Allofs nach den Toren von Clemens Fritz (51.), Torsten Frings (67./Foulelfmeter) und Claudio Pizarro (69.) zusammen. Und mit Blick auf Özils Probleme in der Rückrunde der abgelaufenen Saison sagte Allofs: «Mesut war noch nicht so weit, dass er bei uns deYr Dreh- und Angelpunkt war. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass wir so spielen können.» Allofs' Fazit: «Einen Nachfolger für Mesut müssen wir nicht suchen.»

Die Bremer dürfen sich in ihrer Sichtweise bestätigt fühlen: «Es war klar, dass nun andere die Möglichkeit haben, noch mehr in den Fokus zu rücken», sagte Allofs: «Ich bin froh, dass das Spielern wie Hunt und Bargfrede so gelungen ist.»