Paris (dpa) - Die Sperren gegen Frankreichs WM-Sünder haben vor allem den neuen Fußball-Nationaltrainer Laurent Blanc tief getroffen. «Das ist offensichtlich keine ideale Situation», klagte der 44 Jahre alte Coach.

Der französische Fußball benötige für den Start der Qualifikation zur EM 2010 Anfang September alle Top-Spieler. «Blanc ist das größte Opfer (der Sanktionen des Verbandes)», schrieb auch die Zeitung «France Soir». Der Weltmeister von 1998 habe sich seine ersten Wochen im neuen Amt «wohl ganz anders vorgestellt».

Chelsea-Stürmer Nicolas Anelka war für 18 Länderspiele gesperrt worden, weil er Blanc-Vorgänger Raymond Domenech bei der WM wüst beschimpft hatte. WM-Kapitän Patrice Evra von Manchester United und Bayern-Star und Vizekapitän Franck Ribéry wurden der Anstiftung zum Trainingsboykott am 20. Juni für schuldig befunden und müssen fünf und drei Länderspiele pausieren. Jérémy Toulalan bekam eine Ein- Spiel-Sperre. Dabei hatte der Trainer mit der «kollektiven Sperre» aller 23 WM-Fahrer für das Testspiel in Norwegen (1:2) die ganze Sache beenden wollen.

Blanc steht laut «France Soir» zum Auftakt der EM-Qualifikation gegen Weißrussland am 3. September und in Bosnien vier Tage später vor einer «Riesenbaustelle». «Ich hatte gehofft, Ende August eine neue Situation vorzufinden und dass das Kapitel Südafrika endgültig beendet sein würde», sagte der Coach. Da Arsenal-Talent Samir Nasri zu allem Übel wegen einer Knieverletzung vier Wochen zuschauen muss, sieht der Radiosender «RMC» Blanc vor einem echten «Puzzle».

Die Strafen gegen vier der «Skandalkicker» sorgen auch in der französischen Fußball-Szene weiter für Empörung. Dass die «Bleus» in Südafrika inmitten schlimmster Querelen schon nach der Vorrunde in Schimpf und Schande ausgeschieden waren, steht offenbar nicht mehr im Vordergrund.

«Ich persönlich finde, dass die Konsequenzen dieser Sanktionen für alle zu schwer sind», klagte Ex-Nationalspieler Christian Karembeu. Alle 23 WM-Spieler hätten das Training in Südafrika nach dem Ausschluss von Anelka boykottiert, ein Mini-Prozess gegen nur vier oder fünf Profis sei «abwegig», meinte Blancs Teamkollege bei der WM 1998. Michel Hidalgo, Nationalcoach von 1976 bis 1984, glaubt ebenfalls, dass Blanc das «größte Opfer» ist: «Blanc ist Hauptbestrafter, er kann sein Team nicht aufstellen.»