Köln (dpa) - Die Computerspiele-Messe Gamescom in Köln will ihre Reichweite in diesem Jahr deutlich steigern. Dazu haben sich die Macher von Europas größter Branchenausstellung zum ersten Mal ein offizielles Partnerland mit Vorbildfunktion ins Boot geholt: Kanada.

Mit einem eng gestrickten Netzwerk und Förderungen ist das Land in den vergangenen Jahren auf Platz drei der lukrativsten Standorte für Spiele.Entwickler aufgestiegen - hinter Japan und den USA. Deutschland rangiert auf Platz fünf. Nach Meinung der Messe- Veranstalter ist Kanada das «international führende Kreativzentrum der Spiele-Industrie».

Die Kanadier bieten kreativen Köpfen und Medien-Machern eine Menge «Spielraum»: Die Kunst- und Designhochschule in Ontario erhält beispielsweise jährlich vom Weiterbildungsministerium eine Finanzspritze von umgerechnet mehr als einer Million Euro. Auch die Zusammenarbeit von Universitäten und Unternehmen wird gefördert, was einen kurzen Weg vom Studien- zum Arbeitsplatz schafft. Firmen winken zudem Förderungen, wenn sie Arbeitsplätze schaffen, und zusätzlich noch Steuererleichterungen bei den Personalkosten.

Nicht nur einheimische Spieleentwickler wie Relic Entertainment («Warhammer»-Reihe), BioWare («Neverwinter Nights») oder Ironclad («Sins of a Solar Empire») profitieren von den Vernetzungen und Angeboten. Schon vor Jahren haben sich auch andere Spielefirmen in Kanada niedergelassen. Electronic Arts (EA/Hauptsitz USA) und Ubisoft (Frankreich), um nur zwei zu nennen. Sie sind heute die größten Arbeitgeber in der kanadischen Videospiele-Industrie.

Die größten EA-Entwicklerstudios stehen heute in Vancouver, Burnaby, Montréal, Edmonton und Waterloo. Dort arbeiten rund 2500 Menschen an Erfolgstiteln wie der Fußballsimulation «FIFA». Ubisoft ist seit 1997 in Montréal vertreten. Heute sind dort mehr als 2000 Kreative beschäftigt. Titel wie die «Tom Clancy»-Reihe, «Far Cry» und «Prince of Persia» wurden dort produziert. Unternehmens-Ableger in Quebec, Vancouver und Toronto folgten.

«Das hohe Talent, die Innovation und die Kreativität, die wir hier finden konnten, waren der entscheidende Faktor für unseren Erfolg», sagt Yannis Mallat, Leiter der Ubisoft-Studios in Montreal und Toronto. Das Unternehmen ist zudem noch ein Stück näher dorthin gerückt, wo die kreativen Köpfe ausgebildet und gefördert werden, hat einen eigenen Campus gegründet und arbeitet mit vier Universitäten zusammen. «Dadurch haben wir den direkten Kontakt zu den Absolventen und die sind schon im Thema», sagt Sprecher Karsten Lehmann.

Aus Sicht von Olaf Coenen, Geschäftsführer EA Deutschland, ist «die Spieleförderung in Kanada beispielgebend». Dort gebe es nicht nur eine Vielzahl von optimal ausgerichteten staatlichen Förderprogrammen, auch das Zusammenwirken von Hochschulen und Industrie sei «vorbildlich und für beide Seiten fruchtbar».