Köln (dpa) ­ Wer nicht genau hinguckt, könnte Bilder von der Gamescom 2010 leicht mit denen des Vorjahres verwechseln. Zu sehen sind volle Hallen, fröhliche Gesichter und zumeist junge Menschen, die vor dem Bildschirm tanzen oder virtuell den Tennisschläger schwingen.

Auch die Namen vieler Spiele klingen bekannt: «Diablo» und «Need for Speed» gibt es etwa, oder «Little Big Planet» und «Crysis». Die Unterschiede zu den Vorjahren sind zumeist marginal: Der Spieltitel trägt eine andere Versionsnummer oder Ergänzung. Und getanzt wird nicht mehr allein vor der Wii, sondern dank neuer Steuergeräte auch vor Xbox 360 und Playstation 3.

200 Premieren hat die Messegesellschaft in Köln angekündigt. Wirklich neue Spielkonzepte oder neue Storys sind aber kaum dabei. Hollywood hat die Fortsetzung erfunden, die Spielebranche hat das Prinzip perfektioniert. Die Wirtschaftskrise hat die Wiederholeritis noch einmal verschlimmert.

Das hat zum einen mit den Kosten zu tun. «Die Preise für Spiele sind nicht im gleichen Maße gestiegen wie die Entwicklungskosten», sagt Uwe Bassendowski, Chef der deutschen Playstation-Sparte. Die Faustformel: Ein Spiel für die aktuelle Konsole Playstation 3 verschlinge das Fünffache dessen, was ein Spiel für die erste Gerätegeneration gekostet habe. Die Einzelhandelspreise für Spiele sind dagegen seit Jahren relativ stabil. Früher kosteten die Top- Titel rund 80 D-Mark, heute sind es 40 bis 50 Euro.

Ein Grund für die Kostenexplosion ist derzeit auf der Gamescom zu sehen: Wer die aufwändigen Werbefilme für die heutigen Ego-Shooter oder Rollenspiele sieht, weiß, wie wichtig eine opulente Grafik ist, um die Fans zu überzeugen.

Höhere Kosten bedeuten aber auch ein höheres unternehmerisches Risiko. Damit steigt der Druck, einen Erfolg zu landen. Daher legen die Unternehmen gerne neu auf, was sich schon einmal bewährt hat.

Die wirtschaftlichen Turbulenzen haben diesen Trend verstärkt. Die Menschen halten ihr Geld zusammen. Das wissen auch die Publisher ­ und bringen dementsprechend deutlich weniger Titel auf den Markt. «Die ersten sechs Monate sind meist entscheidend, danach wird mit den meisten Spielen nicht mehr viel Geld verdient», sagt Alessandro Pagella, Spieleexperte der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC). Wer will schon in der Krise sein Pulver verschießen?