Bonn (dpa) - Die Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom hat ein gerichtliches Nachspiel. Vom 3. September an müssen sich drei frühere Mitarbeiter des Konzerns und ein Geschäftsmann vor dem Bonner Landgericht wegen des Ausspionierens von Journalisten und Aufsichtsräten verantworten.

Dies teilte das Gericht am Donnerstag mit. Die Ermittlungen gegen den früheren Konzernchef Kai-Uwe Ricke und den ehemaligen Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Klaus Zumwinkel, waren im Juni eingestellt worden. Möglicherweise müssen sie aber als Zeugen aussagen.

Bis Ende Oktober sind elf weitere Verhandlungstage vorgesehen. Der Sprecher des Bonner Landgerichts, Joachim Klages, wollte sich zu Zeugenladungen noch nicht äußern, über die die «Rheinische Post» (Freitag) berichtete. Gegen Ricke und Zumwinkel hatte die Bonner Staatsanwaltschaft nach langen Ermittlungen keinen hinreichenden Tatverdacht gesehen. Beide beteuerten stets, von den illegalen Methoden nichts gewusst zu haben.

Ausgangspunkt des Skandals war die Veröffentlichung von vertraulichen Informationen über die Unternehmensplanung im Januar 2005. Der damalige Vorstandschef Ricke beauftragte den zuständigen Abteilungsleiter laut Anklage, das «Leck» zu ermitteln, das in den Reihen des Aufsichtsrats vermutet wurde. Der Abteilungsleiter ließ daraufhin die Telefonverbindungsdaten etlicher Mitglieder des Aufsichtsrats und mehrerer Journalisten aufzeichnen - das illegale Projekt in dem am Rhein gelegenen Unternehmen erhielt den Namen «Rheingold».

Dem leitenden Manager halfen laut Staatsanwaltschaft zwei Mitarbeiter - alle drei sitzen demnächst auf der Anklagebank. Hinzu gesellt sich der Chef einer Berliner Firma, die die an insgesamt 34 Mobil- und Festnetztelefonen erschnüffelten Daten ausgewertet haben soll. Dem Abteilungsleiter wird außerdem finanzielle Untreue vorgeworfen, dem Geschäftsmann Beihilfe dazu. Die Telekom selbst hatte 2008 - inzwischen unter neuer Führung - Anzeige erstattet.