Posen (dpa) - Die deutschen Kanuten haben bei der WM in Polen auf dem Weg in die Endläufe Hoffnung auf eine reichhaltige Medaillen-Ausbeute geweckt, aber die bitteren Niederlagen im Canadier-Zweier sorgten auch für einen Dämpfer.

«Beide Boote waren letztes Jahr Weltmeister, jetzt sind sie nicht im Finale. Das tut schon weh», sagte Chef-Bundestrainer Reiner Kießler und sprach mit Blick auf den am 21. August im Finale fehlenden Canadier-Zweier über 1000 Meter gar von einer «historischen Niederlage. Ich kann mich nicht erinnern, wann dieses Boot mal nicht im Finale war.»

Wie zuletzt 2003 gibt es damit für den Deutschen Kanu-Verband (DKV) in Posen weder über 500 noch über 1000 Meter im Canadier-Zweier Edelmetall. Nach dem Halbfinal-K.o. von Erik Leue und Thomas Lück am 19. August über den Kilometer schieden Tomasz Wylenzek und Chris Wend einen Tag später in Posen im neu formierten Boot über die halbe Distanz schon im Vorlauf aus - und das als Letzte. «Dass sie nicht mal eine Runde weiterkommen, ist schon bedenklich», sagte DKV-Sportdirektor Jens Kahl. Mit Blick auf das kommende Jahr, wenn es um die Olympia- Tickets geht, müsse man sich «ernsthafte Gedanken», aber keine Sorgen machen, meinte Kießler.

Die anderen Kanuten demonstrierten in Vor- und Halbfinalläufen Stärke. Wie die viermalige Olympiasiegerin Katrin Wagner-Augustin, die im Kajak-Einer gewann und den Vierer direkt ins Finale führte. «Perfekt. So kann es weitergehen», sagte die 32-Jährige. Als Halbfinal-Sieger kam auch Max Hoff im Kajak-Einer wie schon am Donnerstag über 1000 Meter auch am Freitag über 500 Meter weiter. Carolin Leonhardt/Silke Hörmann im Kajak-Zweier, Sebastian Brendel im Canadier-Einer und Martin Hollstein/Andreas Ihle im Kajak-Zweier schafften es über den halben Kilometer auch in die Finals.

Damit greift der DKV in sieben der acht 1000-Meter-Entscheidungen nach Medaillen. Über 500 Meter ist am 22. August noch sechsmal Edelmetall drin. Dazu werden am Wochenende WM-Titel über 200 und 5000 Meter vergeben.

Zwar ist der Canadier-Zweier über 500 Meter nicht mehr olympisch und hat damit nicht mehr erste Priorität, aber ein letzter Platz im Vorlauf ist der erfolgsverwöhnte DKV nicht gewohnt. Allerdings gab es in beiden Canadier-Zweier-Disziplinen auch Probleme. Robert Nuck fiel verletzt aus und konnte so seinen 500-Meter-WM-Titel mit Stefan Holtz nicht verteidigen. Zwischen den 1000-Meter-Champions Leue und Wylenzek passte es in diesem Jahr untereinander nicht mehr - und eine Zukunft der beiden ist unwahrscheinlich. Daher gingen in beiden Klassen schwächere Boote als 2009 an den Start. «Aber der C2 über 1000 Meter muss in einem Jahr sitzen», sagte Canadier-Trainer Kay Vesely mit Blick auf die für Olympia so wichtige WM 2011.

Für die Formationen von der diesjährigen WM auf dem Maltasee dürfte es keine Zukunft geben. «Wenn zwei Zweier so abschneiden, sind sie meistens Geschichte», sagte Kießler.