Berlin (dpa) - «Wer ist der mutigste von Euch? Wer will mal boxen?», fragt Ex-Boxweltmeister Henry Maske in die Runde von Jugendlichen. Sofort baut sich der 14-jährige Martin aus Berlin sichtlich auf. «Klar», meint Martin. «Ich habe Rocky gesehen.»

In dem Boxfilm «Rocky» erhält ein bis dahin völlig unbekannter Boxer die Chance, gegen den Weltmeister anzutreten.

Eine Chance geben will auch Henry Maske den Jugendlichen, die er mit Hilfe seiner Stiftung für eine Woche zum Feriencamp ins brandenburgische Mötzow eingeladen hat. Rund 80 Jugendliche sollen «mal rauskommen aus ihrem normalen Leben», wie Maske es formuliert. Denn «normal» bedeute für viele von ihnen ein Alltag voller Konflikte.

Etwa 1,8 Millionen Kinder unter 15 Jahren sind von Hartz-IV- Leistungen abhängig. Ohne Unterstützung wären laut dem neuesten Armutsbericht der Bundesregierung rund ein Drittel der Kinder in Deutschland armutsgefährdet. Trotz staatlicher Hilfe ist es immer noch fast jedes achte. Und noch ist auch die von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ins Spiel gebrachte Bildungskarte für Hartz-IV-Kinder Zukunftsmusik.

Die Nachfrage nach Ferienangeboten für bedürftige Kinder ist groß, denn viele Eltern wissen nicht, wie sie einen gemeinsamen Urlaub bezahlen sollen. Die staatlichen Ausgaben für Kinder- und Jugenderholung seien im jüngsten statistisch erfassten Jahr 2007 gegenüber 2000 aber um fast ein Viertel gesunken, berichtet das Familienministerium.

Diesen Eindruck gewinnt auch Stephan Kelm vom Jugendwerk der Arbeiterwohlfahrt Württemberg, einem der größten Veranstalter von Freizeiten. Das Angebot an Jugendfreizeiten sei zwar gleichgeblieben. «Die Möglichkeiten für Kinder mit wenig Geld gehen aber zurück», sagt er. «Sie verbringen ihre Ferien dann auf der Straße.»

Kelm kritisiert, dass nicht nur weniger gefördert werde, sondern zudem noch an den falschen Stellen. «Auch im Jugendbereich werden eher Leuchtturmprojekte gefördert.» Oftmals bedeute das: Lieber ein Hochseilklettergarten für zehn Kinder als ein Zeltlager für 60.