Hamburg (dpa) - Zum Auftakt der 48. Bundesliga-Saison treffen der Hamburger SV und Schalke 04 im Spitzenspiel aufeinander. Zur sportlichen Brisanz kommen in beiden Clubs Nebenkriegsschauplätze: Beim HSV ist Investor Kühne, bei Schalke der Führungsstil von Trainer Magath umstritten.

Felix Magaths Rückkehr an die alte Erfolgsstätte, Heiko Westermanns rasches Wiedersehen der Knappen, das mit Spannung erwartete Duell der Altstars Raul und Ruud van Nistelrooy: Das Top-Match zwischen dem Hamburger SV und Vizemeister Schalke birgt schon reichlich Zündstoff, der sogar Joachim Löw als Beobachter anlockt. Doch schon vor dem ersten Tritt gegen das runde Leder müssen sich beide ambitionierten Vereine mit kritischen Themen auseinandersetzen. Beim HSV sorgen Äußerungen von Investor Klaus-Michael Kühne für Unmut, bei Schalke steht Magaths Machtfülle als Trainer und Vorstand in Personalunion in der Kritik.

So sah sich sogar Schalkes Clubchef Clemens Tönnies gefordert, bei der Pressekonferenz zum HSV-Spiel öffentlich hinter Magath zu stellen. «Er hat einen autoritären Führungsstil, das ist auch für mich manchmal nicht einfach, hat aber nichts mit Diktatur zu tun», betonte Tönnies. Er reagierte damit auf Magaths umstrittenen Entschluss, den langjährigen Fan-Beauftragten Rolf Rojek feuern zu lassen. Diese Entscheidung habe triftige Gründe, sei aber schlecht überbracht worden, betonte Tönnies. Magath räumte dies inzwischen ein, stellte aber grundsätzlich klar: «Meine Konzepte sind bekannt, meine Methoden ebenso.» Er werde weiter alles dem Erfolg unterordnen.

In Hamburg meldete sich HSV-Idol Uwe Seeler zu Wort, nachdem Kühne die Transferpolitik kritisiert und so die schon von Club-Mitgliedern geäußerte Sorge vor einer Einflussnahme von außen geschürt hatte. Der HSV müsse «aufpassen, dass er nicht seine Seele verkauft», warnte Seeler. Milliardär Kühne, der insgesamt 15 Millionen Euro für «Neue» in Aussicht stellte, hatte die bisher getätigten Einkäufe moniert und damit seine Zurückhaltung abgelegt. Die noch zur Verfügung stehenden 7,5 Millionen möchte Kühne in einen Topstar wie Rafael van der Vaart stecken. Bei einem Treffen mit Kühne will HSV-Chef Bernd Hoffmann am 25. August die aufgekommenen Dissonanzen aus dem Weg räumen.

Ungeachtet der Nebenkriegsschauplätze fiebern beide Teams dem Liga-Start entgegen. Geht es nach David Jarolim, dann wird der HSV im Beisein von Bundestrainer Löw seine Minus-Serie von vier Heimspielen ohne Sieg gegen die Knappen beenden. «Fußballerisch sind wir besser. Wir wissen, wo Schalke Probleme hat», tönte der Mittelfeldmann, dessen Team sich für die enttäuschende Saison ohne Europacup-Platz rehabilitieren will. Das hofft auch Neu- Kapitän Westermann: «Wir wollen die drei Punkte in Hamburg behalten.»

«Da treffen zwei Traditionsvereine aufeinander, die ziemlich auf Augenhöhe sind. Beide wollen am Saisonende ganz oben dabei sein», meinte HSV-Coach Veh. Sein Pendant Magath sieht «gute Chancen für uns, der Knaller zu Beginn gefällt mir. Ich starte lieber auswärts, denn nach einer langen Sommerpause steht die Heimmannschaft unter dem größeren Druck.» Er erwartet, dass Christoph Metzelder nach behobenen Hüftproblemen auflaufen kann und erwägt, Superstar Raul zum Liga-Debüt zu verhelfen. «Er hat sich durch die Pause von den vorherigen Belastungen gut erholt und auf mich einen guten Eindruck gemacht.»

Dann käme es zum Stürmer-Duell mit Rauls einstigem Real-Madrid-Teamkollegen van Nistelrooy. Der Niederländer, der in drei Ligen Europas Torschützenkönig war, ist nach zwei Jahren ohne anständige Saisonvorbereitung endlich wieder topfit und präsentiert sich mit drei Pokal-Toren in Torgelow bereits in Top-Form. Veh: «Ruud will zu 100 Prozent jedes Spiel gewinnen. Das hat etwas mit Charakter und Herz zu tun. Daher war er auch überall erfolgreich.»