Greifswald (dpa) - Mit Neugier fiebert der Österreicher Paul Inama-Sterneck dem letzten Augustwochenende an der pommerschen Küste entgegen. Dann erkundet der 73-Jährige nicht nur Wurzeln der eigenen Familiengeschichte, sondern auch der deutschen Romantik.

Sein in Ludwigsburg bei Greifswald geborener Ururgroßvater Friedrich August Klinkowström (1778-1835) gehörte zusammen mit Caspar David Friedrich (1774-1840) und Philipp Otto Runge (1777-1810) zu den pommerschen Romantikern. Das Landesmuseum in Greifswald hat ihnen unter dem Titel «Die Geburt der Romantik» eine große Konzeptausstellung gewidmet. Am 27. August wird die Ausstellung eröffnet.

Erstmals steuert die Familie Inama-Sterneck aus dem Klinkowströmschen Nachlass Werke des Malers für eine Romantik-Ausstellung bei. Neben einem Ölgemälde werden Aquarelle, Zeichnungen sowie Dokumente wie sein Stammbuch, Reisepass oder die von dem Philosophen Friedrich von Schlegel unterzeichnete Konversionsurkunde zum katholischen Glauben gezeigt. «Ich spüre eine große Spannung, wenn es um die Geschichte unserer Vorfahren geht», sagt der 73-jährige Ururenkel des Künstlers. Im Gegensatz zu Runge, der sich Tages- und Jahreszeitenmotiven verschreibt, und Friedrich mit seinen symboltragenden Landschaftsbildern wie den «Wiesen bei Greifswald» konzentrierte Klinkowström sein Schaffen auf religiöse Motive.

«Trotz aller stilistischen Unterschiede verbindet die drei die Abkehr vom Rationalismus der Aufklärung, der gemeinsame Traum von einer neuen Kunst und die tief verwurzelte Liebe zur pommerschen Heimat», sagt Ausstellungskuratorin Birte Frenssen. Anlass der Greifswalder Ausstellung ist der 200. Todestag Philipp Otto Runges, der 1777 im benachbarten Wolgast zur Welt kam. Das Pommersche Landesmuseum präsentiert keine umfassende Werkschau, sondern richtet den Fokus auf die künstlerischen und geistigen Wurzeln der drei Männer, die in ihren Dresdener Jahren befreundet waren.

Die Ausstellungseröffnung am 27. August wird zu einem Familientreffen der Romantiker-Nachfahren. Mehr als 50 Runge-Nachkommen, die heute vor allem in Hamburg leben, sowie 20 Nachfahren des Malers Klinkowström haben ihr Kommen zugesagt. Auch Verwandte Caspar David Friedrichs wurden eingeladen - eine Teilnahme sei allerdings noch ungewiss, sagt Frenssen.

Die dreimonatige Sonderausstellung zeigt neben Werken aus dem eigenen Bestand hochkarätige Leihgaben wie Friedrichs «Greifswald im Mondschein» oder «Zwei Männer am Meer». Die Leihgaben kommen aus dem Belvedere in Wien, aus Oslo, zahlreichen deutschen Museen und Privatbeständen. Ein Ausstellungsraum widmet sich der Entstehung des Märchens «Vom Fischer und syne Frau», das Runge noch vor den Gebrüdern Grimm aufgeschrieben und illustriert hatte.