Frankfurt/Main (dpa) - Vor dem Anstoß zur neuen Bundesligasaison laufen die vier großen Fanorganisationen Sturm gegen die Deutsche Fußball Liga (DFL) und den Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Weil die Mehrheit der organisierten Anhänger der 18 Erst- und 18 Zweitligavereine ihre Interessen durch die Dachverbände des deutschen Fußballs nicht ausreichend gewahrt sehen, drohen sie mit einem Ausstieg aus der 2007 gegründeten AG Fandialog in der Winterpause.

«Wir erwarten von DFB und DFL, dass der Terminvorschlag für die kommende Sitzung im September zurückgezogen und innerhalb der beiden Verbände ernsthafte Diskussionen über eine Veränderung bei der AG Fandialog geführt werden», heißt es in einer Presseerklärung der Fanorganisationen Unsere Kurve, ProFans, BAFF und F_in.

DFB und DFL reagierten überrascht auf den Vorstoß und wiesen die erhoben Vorwürfe im Kern zurück. «Ich finde den Weg, den die Fanorganisationen eingeschlagen haben, ein Stück weit irritierend. Ich halte es generell für keine gute Vorgehensweise, mit einem Ultimatum zu arbeiten, wenn Forderungen nicht zu hundert Prozent erfüllt werden. Ich werde aber alles daran setzen, dass die Fanvertreter am Tisch bleiben», sagte Helmut Spahn, Sicherheitsbeauftragter des DFB.

Thomas Schneider, Leiter Fan-Angelegenheiten bei der DFL, verwies auf den im April verabschiedeten 10-Punkte-Plan, der die Ernsthaftigkeit des begonnenen Dialogs unterstreiche. «Die DFL setzt nicht auf Repression. Im Gegenteil: Wir haben uns gerade in den vergangenen Monaten aktiv für die Interessen der Fankurven eingesetzt und konnten zum Beispiel die Stehplatz-Kultur trotz massiver Forderungen aus der Politik bislang erhalten», sagte Schneider der Nachrichtenagentur dpa. Wie der DFB wolle auch die Liga den Dialog unbedingt fortsetzen. «Unsere Tür bleibt offen», so Schneider.

Die eingefleischten Fans vermissen bei den Verbänden «die notwendige Ernsthaftigkeit, sich wirklich mit brennenden Themen zu beschäftigen und die Bereitschaft, wirklich etwas im Sinne der Fans verändern zu wollen», klagte Mathias Scheurer von der größten Fanorganisation «Unsere Kurve». Er bemängelt, dass die Diskussionen über wichtige Themen ergebnislos verlaufen, weil Zuständigkeiten von offizieller Seite hin und her geschoben würden oder es an der Entscheidungsbefugnis der beteiligten Personen mangele.

Die Vorschriften für Stadionverbote sind den Fans ein besonders großer Dorn im Auge. «Es werden drastische Strafen an komplette Fanszenen für individuelle Fehler Einzelner verhängt. Verringerung der Kartenkontingente für Gästefans, Sitzplatzzwang, Ausweiszwang, Polizeikessel, schikanöse und entwürdigende Behandlung von Gästefans, all das ist eine pauschale Kriminalisierung aller Fans des entsprechenden Vereins», meinte Scheurer. Er fordert eine Differenzierung und Einzelfallprüfung.