Berlin (dpa) - Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg für die Debatte über die Bundeswehrreform den Rücken gestärkt.

Einen Tag vor der Vorstellung der Reformpläne bekräftigte sie am Sonntag im ZDF, dass es keine Denkverbote geben dürfe. Das gelte auch für «ein Neudenken der Rolle der Wehrpflicht».

Guttenberg will die wohl tiefgreifendste Reform in der Geschichte der Bundeswehr trotz der Widerstände in der Union noch in diesem Jahr durchsetzen. «Wir können uns heute nicht mehr leisten, diese Diskussion weiter auf die lange Bank zu schieben.» Möglicherweise wird die Umstrukturierung der Streitkräfte aber deutlich weniger Einsparungen bringen als ursprünglich geplant. Nach einem «Spiegel»- Bericht wird das von Guttenberg favorisierte Modell den Haushalt bis 2014 nur um 1,5 Milliarden Euro statt der vom Kabinett vorgesehenen 8,3 Milliarden Euro entlasten.

Der Verteidigungsminister wird am Montag fünf Reformmodelle präsentieren und seine Präferenz deutlich machen. Dem Vernehmen nach favorisiert der CSU-Politiker ein Aussetzen der Wehrpflicht und die Verkleinerung der Bundeswehr von derzeit gut 250 000 auf 165 000 bis 170 000 Soldaten.

Zum Einsparpotenzial wollte sich Guttenberg am Sonntag nicht konkret äußern. Er bekräftigte lediglich, dass es keine Reform nach Kassenlage geben werde. Ausschlaggebend seien sicherheitspolitische Kriterien. Bundeskanzlerin Merkel hatte bereits kurz vor der Sommerpause angedeutet, dass die ursprünglich vom Kabinett beschlossene Sparvorgabe für die Bundeswehr wohl kaum zu halten sein wird: «Wegen zwei Milliarden kann ich nicht die deutsche Sicherheit aufs Spiel setzen», sagte sie.

Guttenberg stellt sich auf eine harte Diskussion auch in den eigenen Reihen ein. «Es gibt ein breites Meinungsbild in den Unionsparteien», sagte er. Im Oktober und November werden sich die Parteitage von CSU und CDU mit der Bundeswehrreform befassen.

Dem «Spiegel» zufolge bemüht sich Merkel darum, die CDU von einem Abschied von der Wehrpflicht zu überzeugen. So führte die Parteivorsitzende Gespräche mit Unionsfraktionschef Volker Kauder, um diesen von seinem Nein zur Freiwilligenarmee abzubringen - laut «Spiegel» offenbar mit Erfolg. Kauder versicherte demnach intern, dass die Bundestagsfraktion kein Veto einlegen werde, falls sich die Mehrheit der CDU für ein Aussetzen der Wehrpflicht ausspreche.