Bochum (dpa) - Erst ließ er Tore sprechen, dann ergriff er selbst das Wort: «Ich bin sehr lustig, in Deutschland zu spielen, äh glücklich», drückte Bochums nordkoreanischer Neuzugang Chong Tese mit seinen allerersten Deutsch-Kenntnissen die Zufriedenheit über ein gelungenes Ligadebüt aus.

Zwei Tore erzielte der Stürmer beim 3:2 (2:1) gegen den TSV 1860 München und verhalf dem VfL Bochum zu einem erfolgreichen Start in die neue Zweitligasaison. Zwei Tore für die Geschichtsbücher: Es waren die ersten Pflichtspieltreffer eines Nordkoreaners im deutschen Profifußball.

«Ich hätte drei machen können», haderte Chong Tese trotzdem mit sich selbst. Seine Mitspieler dagegen waren voll des Lobs. «Er hat genau das gemacht, was wir von ihm erwartet haben», sagte VfL-Kapitän Christoph Dabrowski über den Neuzugang, dessen Karriere erst mit 22 Jahren in Japans J-League begann. Zweikampfstark und torgefährlich - in Japan nannten sie ihn den «Wayne Rooney Asiens». «Den haben wir nie in den Griff bekommen», meinte «Löwen»-Coach Reiner Maurer.

Vor seinem Wechsel zum VfL erzielte der 26 Jahre alte WM- Teilnehmer Chong Tese für Kawasaki Frontale 46 Tore in 111 Spielen, in Südafrika fiel Chong Tese speziell durch eine Szene auf: Er weinte bei der nordkoreanischen Hymne vor Stolz. Doch über Nordkorea kann der in Japan geborene und dort aufgewachsene Sohn koreanischer Eltern nicht viel sagen: «Ich habe keinen Kontakt.» Wann sein nächstes Länderspiel ansteht, weiß er nicht, auch nicht, ob Nationaltrainer Kim Jong-Hun nach dem WM-Aus überhaupt noch im Amt ist.

Erst seit fünf Wochen ist der 26-Jährige Chong Tese in Deutschland, dennoch beantwortet er Fragen schon auf Deutsch. «Ich habe noch nie einen Spieler erlebt, der so wissbegierig ist», sagte Bochums neuer Trainer Friedhelm Funkel, der gegen die «Löwen» die Bochumer Serie, kein Auftaktspiel der zweiten Liga zu verlieren, fortsetzte.

Sportlich, so Funkel, «können wir im Lauf der Saison noch viel von Chong Tese erwarten». Auch Chong Teses Zimmernachbar Björn Kopplin ist sicher: «Wenn er in zwei oder drei Monaten richtig Deutsch spricht, haben wir noch mehr Spaß an ihm.» Vorerst aber will Funkel keinen Rummel mehr um seinen Stürmer und legte fest: «Bis zum nächsten Spiel am Freitag in Aue wird er keine Termine mehr wahrnehmen - nur noch Pflegetermine.»

Mehr Ruhe um seine Person wünscht sich auch Münchens Stefan Aigner. Allen Aussagen zum Trotz ist der Wechsel des Publikumslieblings und Leistungsträgers zum VfB Stuttgart nicht vom Tisch. «Löwen»-Geschäftsführer Robert Niemann wiederholte während der Halbzeitpause in Bochum in einem TV-Interview, dass der Verein kurzfristig zwei Millionen Euro brauche. Zwei Millionen Euro - so viel soll den Schwaben ein Aigner-Transfer wert sein.