Nairobi/Mogadischu (dpa) - Bei den blutigsten Kämpfen seit Monaten in der somalischen Hauptstadt Mogadischu sind mehr als 60 Menschen getötet worden, darunter mindestens sechs Parlamentsabgeordnete. Allein am Dienstag kamen bei einer Rebellenoffensive gegen ein Hotel in der Nähe des Präsidentenpalastes 31 Menschen ums Leben, wie das somalische Informationsministerium mitteilte.    

Die islamistischen Aufständischen von Al-Shabaab führen seit Montag eine neue Offensive gegen die Friedenstruppen der Afrikanischen Union (AU), die in dem Krisenstaat stationiert sind. Die Rebellen erklärten den etwa 6000 Soldaten der AU in Somalia den «endgültigen Krieg» und drohten damit, ihnen den Todesstoß zu versetzen.

Als Sicherheitskräfte der Regierung verkleidete Shabaab-Kämpfer stürmten nach Polizeiangaben das Hotel Muna und erschossen dort die Parlamentarier, fünf Regierungssoldaten und zahlreiche Hotelmitarbeiter. Danach zündeten sie einen Sprengsatz, wie das Informationsministerium berichtete. Die Polizei hatte zuvor noch von zehn getöteten Abgeordneten gesprochen.

«Die Zahl der Toten und Verletzten steigt Minute um Minute, und der Kampf wird heftiger», sagte der für die Krankentransporte zuständige Ali Muse der Nachrichtenagentur dpa. Ziel der Islamisten ist es, die schwache, vom Westen gestützte Regierung zu vertreiben, die in Mogadischu von Truppen der Afrikanischen Union aus Uganda und Burundi geschützt wird.

«Sie wollen definitiv nur eines, nämlich die Menschen in Somalia terrorisieren», sagte der somalische Informationsminister Abdirahman Omar Osman. «Dies ist eine verwerfliche Aktion in diesem heiligen Monat Ramadan.» Das Vorgehen der Rebellen zeige deren Brutalität und Unmenschlichkeit. Ein Sprecher der Milizen hatte kurz vor dem Angriff angekündigt, Aufständische aus ganz Somalia würden bei der Offensive die AU-Friedenstruppen aus Mogadischu vertreiben.

«Ich weise alle somalischen Muslime und Al-Shabaab-Kräfte an, in den Krieg zu ziehen und die abtrünnigen Truppen und christlichen Soldaten in Mogadischu zu vernichten», forderte Al-Shabaab-Sprecher Sheik Ali Mohamoud Rage am späten Montagabend. Wenig später griffen die Islamisten Regierungsstellen und AU-Positionen an. Augenzeugen sprachen von den schwersten Gefechten seit Monaten, bei denen auch Mörsergranaten abgefeuert wurden.

«Als wir am Abend vom Markt zurückkamen, wurden die Kämpfe heftiger und schweres Artilleriefeuer ging nieder, fünf Frauen starben auf einen Schlag», schilderte ein Ladenbesitzer die Lage.