Berlin (dpa) - Rechtsextremisten sind mit ihren Hassparolen immer stärker im Internet aktiv und versuchen dort Jugendliche für ihre Propaganda zu gewinnen. Das geht aus dem Jahresbericht hervor, den die gemeinsame Stelle der Bundesländer für den Jugendschutz, jugendschutz.net, am Dienstag in Berlin vorlegte.

Sie registrierte im vergangenen Jahr 1872 deutschsprachige Websites aus der Neonazi-Szene - das waren 237 mehr als im Jahr 2007 und 839 mehr als noch 2005.

Die Arbeitsstelle beobachtet auch, dass sich Neonazis immer stärker über eigene Communitys im Internet vernetzen. Nach Angaben von jugendschutz.net verdreifachten sich die deutschsprachigen neonazistischen Netzwerke innerhalb eines Jahres nahezu auf mehr als 90. Auch die Zahl der registrierten NPD-Angebote stieg um knapp 30 Prozent auf 242.

Zudem werden aktuell abertausende rechtsextreme Beiträge in sozialen Netzwerken wie Facebook und auf Videoplattformen wie YouTube erfasst. Es sind mittlerweile so viele, dass der Leiter des Bereichs Rechtsextremismus von jugendschutz.de, Stefan Glaser, daraus den Schluss zog, die rechtsextremen Aktivitäten würden sich zunehmend in das Web 2.0 verlagern. Jugendschutz.net beobachtet seit dem Jahr 2000 den Rechtsextremismus im Internet und kümmert sich um Gegenstrategien.

Die Stelle geht von Mainz aus systematisch gegen Neonazi- Propaganda im Internet vor. Nach den Worten Glasers gelingt es ihr in vier von fünf Fällen, strafbare oder jugendgefährdende Inhalte löschen zu lassen. «Am effektivsten dabei ist der direkte Kontakt zu den Providern», erläuterte Glaser. Nicht gelöst sei jedoch das Problem, dass antisemitische und rassistische Propaganda über Server im Ausland oft erneut hochgeladen werde. Dem Jahresbericht zufolge liefen im vergangenen Jahr 70 Prozent der unzulässigen deutschsprachigen Inhalte über ausländische Server, zumeist aus den USA.

Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, appellierte an die Internetwirtschaft, mehr zu tun, um dieses Problem zu bewältigen. Auch technische Lösungen seien gefragt, um erneutes Hochladen zu unterbinden. Krüger sieht aber auch die Nutzer sozialer Netzwerke selbst gefordert, sich mit dem Rechtsextremismus im Netz auseinanderzusetzen. «Das kann nicht allein Aufgabe des Staates sein», sagte er. Die Bundeszentrale fördert die Arbeit von jugendschutz.net auch finanziell.

Jugendschutz-Seite