Wiesbaden/Frankfurt (dpa) - Die deutsche Wirtschaft boomt wieder - doch die Milliardenausgaben in der jüngsten Krise haben ein tiefes Loch in die Staatskasse gerissen. Konjunkturprogramme und die Rettung der Banken trieben die Ausgaben in die Höhe, zugleich sanken die Steuereinnahmen.

Unter dem Strich stand nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes am Ende des ersten Halbjahres 2010 ein Finanzierungsdefizit von rund 42,8 Milliarden Euro. Die Defizitquote stieg auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und damit über die zulässige europäische Grenze von 3,0 Prozent, wie die Behörde am Dienstag mitteilte.

Hoffnung macht Politikern wie Ökonomen der unerwartet kräftige Aufschwung. Dank starker Nachfrage aus dem Ausland brummt der Exportmotor und zieht die deutsche Wirtschaft im Rekordtempo aus der Krise. Aber auch Investitionen und Konsum erholen sich zunehmend. Zum Vorquartal legte die Wirtschaftsleistung von April bis Ende Juni real um 2,2 Prozent zu - so stark wie nie seit der Wiedervereinigung. Das Wiesbadener Amt bestätigte seine erste Berechnung von Mitte August.

«Die Erholung hat die deutschen Wirtschaft in ihrer vollen Breite erfasst. Sowohl die Industrie als auch der Dienstleistungssektor befinden sich wieder im Aufwind», kommentierte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) die jüngsten Daten. Das Vertrauen von Konsumenten und Investoren sei zurückgekehrt.

Reihenweise erhöhen Ökonomen ihre Wachstumsprognosen für das Gesamtjahr. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet nun mit mehr als 3 (bisher 1,9) Prozent Wachstum. Die Bundesbank hatte ihre Prognose kürzlich von knapp 2 Prozent auf rund 3 Prozent angehoben, die Deutsche Bank erwartet gar 3,5 Prozent.

Doch auch Deutschland hat mit einem Schuldenberg zu kämpfen. Das Finanzierungsdefizit war im ersten Halbjahr mehr als doppelt so groß wie im Vorjahreszeitraum (18,7 Mrd Euro), aber kleiner als im zweiten Halbjahr 2009 (mehr als 54 Milliarden Euro).

Die Einnahmen sanken in den ersten sechs Monaten dieses Jahres zum Vorjahreszeitraum um 1,5 Prozent auf 526,1 Milliarden Euro, die Ausgaben stiegen um 3,0 Prozent auf 568,9 Milliarden Euro. Ohne die Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen, die Milliarden in die Kasse spülte, wäre das Bild schlechter ausgefallen. Negativ ins Gewicht fiel die Sanierung der Düsseldorfer WestLB mit Bundeshilfe: Dies verschlechterte den Finanzierungssaldo um rund 900 Millionen Euro.