Kayseri (dpa) - Die Sensation knapp verpasst, den ersten Härtetest bei der WM aber mit Bravour bestanden: Trotz der unglücklichen 74:78- Niederlage gegen Titelkandidat Argentinien haben sich Deutschlands Basketballer bei der Weltmeisterschaft in der Türkei zum Auftakt Respekt verschafft.

«Es ist ein tolles Zeichen, dass diese junge Mannschaft in der Lage ist, gegen ein so erfahrenes und starkes Team wie Argentinien zu bestehen», sagte Bundestrainer Dirk Bauermann nach der Pleite gegen den Olympiasieger von 2004. «Die Deutschen haben ein starkes Team. Mit ihnen wird hier zu rechnen sein», lobte Argentiniens NBA-Star Luis Scola.

Schon in den Katakomben der Kadir Has Arena von Kayseri begann Bauermann, seine junge Truppe wieder aufzubauen. «Man darf bei einer WM nie frustriert oder niedergeschlagen sein, man darf sich nie zu lange ärgern. Das entzieht einem Energie und dafür geht es bei einem solchen Turnier zu sehr Schlag auf Schlag», sagte der Nationalcoach mit Blick auf das zweite Gruppenspiel gegen Vize-Europameister Serbien.

Grund zu übergroßer Enttäuschung bestand für das deutsche Team in der Tat nicht. Bis auf eine Schwächphase im dritten Abschnitt bot die unerfahrene Mannschaft den mit drei NBA-Profis angetretenen Südamerikanern mit Unbekümmertheit und Leidenschaft Paroli und hatte den Ex-Weltmeister am Ende sogar am Rande einer Niederlage. Beim Stand von 74:75 und noch zehn Sekunden Spielzeit leistete sich Routinier Demond Greene aber einen unnötigen Ballverlust, der die deutschen Siegträume platzen ließ.

«Ich wünschte, ich könnte die Szene ungeschehen machen», stammelte Greene nach der Partie, in der er ansonsten überragend gespielt hatte. Mit 20 Punkten war der 31 Jahre alte «Team-Opa» bester Werfer, überzeugte zudem mit starker Verteidigung und riss seine jungen Kollegen immer wieder mit. «Trotzdem würde ich nicht von einem gelungenen Start sprechen, schließlich haben wir verloren.»

Wie schon bei der Europameisterschaft in Polen vor einem Jahr musste die jüngste Auswahl, die der Deutsche Basketball Bund (DBB) je zu einer WM geschickt hat, in den entscheidenden Situationen noch Lehrgeld bezahlen. Ohne Superstar Dirk Nowitzki, der in diesem Sommer erneut pausiert und die Partien am Wochenende aufgrund von Terminen auch nicht im Fernsehen verfolgen konnte, fehlt zudem eine Respektsperson auf dem Feld.

Dies spiegelte sich auch in dem einen oder anderen Pfiff der Unparteiischen wieder. 34 Freiwürfe bekamen die international erfahrenen Argentinier zugesprochen, nur 15 Mal standen die Jungspunde aus Deutschland, bei denen gleich neun Spieler ihr WM- Debüt feierten, an der Linie. «Das spiegelte nicht die Verhältnisse auf dem Parkett wider», sagte Bauermann.