Berlin (dpa) - Nun ist es raus, die Atommeiler sollen bis zu 15 Jahre länger laufen. Aber Kanzlerin Angela Merkel (CDU) betont zugleich, dass es nur eine Brücke hin zu einer vollständigen Versorgung mit Öko-Strom ist. Die Brücke soll auch genutzt werden, um das Strom- und Speicherproblem zu lösen.

Sie sei «betrübt» über die Widerstände gegen den notwendigen Stromnetzausbau, sagt die Kanzlerin. Die für eine Öko-Vollversorgung zu mangelhaften Netze liefern den Konzernen seit Wochen gute Argumente dafür, dass es zum Ausstieg aus dem Atomausstieg kommen müsse.

Wirtschafts- und Umweltminister von neun Landesregierungen wiederum werfen der Bundesregierung vor, ihr Energiekonzept nur um die Verlängerung der Laufzeiten herum zu stricken. Ein wirklicher Anreiz für den schnellen Ausbau neuer Leitungen werde so behindert. «Die Achillesferse für den Ausbau der erneuerbaren Energien ist das Stromnetz», heißt es in einem Appell dieser Länder. Optimierung, Verstärkung und Ausbau des Übertragungs- und Verteilnetzes seien unverzüglich notwendig. «Wer dazu nichts sagt, hat auch kein Konzept für die Zukunft.»

Letztlich hängt die Lösung vom Willen der Energiekonzerne ab. Mit entsprechenden Leitungen würde der Preis für erneuerbare Energien laut des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU) spätestens ab etwa 2030 billiger als Atom- oder Kohlestrom. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung beziffert die fehlenden Ausgaben für den Netzausbau auf 20 Milliarden Euro.

Während bisher der Strom in hohem Maße im Süden hergestellt wird, etabliert sich nun mit der Offshore-Windkraft ein Produktionszentrum in der Nordsee. Und statt großer Kraftwerke entstehen überall im Lande dezentrale Produktionsflächen auf der grünen Wiese. Befürchtet wird von Atombefürwortern, dass das Netz ohne den kontinuierlich fließenden Atomstrom den Schwankungen bei der immer höheren Ökostrom- Einspeisung nicht standhalten und es zu Blackouts kommen könnte.

Leitungsnetze wurden früher nach dem Bedarf ausgelegt - niemand ahnte, dass in dünn besiedelten Gegenden Stromerzeugungsanlagen installiert würden. In Dardesheim (Sachsen-Anhalt) etwa zeigen sich die neuen Herausforderungen durch den massiven Zuwachs bei den erneuerbaren Energien. Der Windpark auf dem Druiberg erzeugt 40 mal mehr Strom als die 1000 Einwohner brauchen. Der regionale Energieversorger im Harz, Eon Avacon, hat bisweilen Probleme, den produzierten Strom abzutransportieren und in die Netze einzuspeisen.

Der Aufbau neuer Netze kann wegen der Genehmigungsverfahren 10 Jahre dauern - oft gibt es aber Widerstand in der Bevölkerung. Daran erinnert auch Merkel.