Peking/Boston (dpa) - Bei seinem überraschenden Besuch in China ist Nordkoreas Militärführer Kim Jong Il nach unbestätigten Berichten mit Staats- und Parteichef Hu Jintao zusammengetroffen.

Nach dem Treffen am Freitag in Changchun verließ sein Sonderzug die Industriestadt in Nordostchina, ohne dass sein nächstes Ziel bekannt war. Es gab Spekulationen, dass Kim Jong Il doch noch nicht nach Hause zurückkehrt ist, sondern die autonome koreanische Präfektur Yanbian nahe der Grenze zu Nordkorea und Russland besuchte.

In Yanji, der Hauptstadt der Präfektur, habe es Vorbereitungen für einen hohen Gast gegeben, berichtete Südkoreas Nachrichtenagentur Yonhap am Sonntag. Beobachter gingen davon aus, dass Kim Jong Il den großen Nachbarn China um wirtschaftliche Hilfe ersucht hat. Außerdem wurde spekuliert, dass der gesundheitlich angeschlagene 68-Jährige die chinesische Führung über die Überlegungen für seine Nachfolge unterrichtet haben könnte. Als potenzieller Nachfolger gilt sein Sohn Kim Jong Un. Ob er mit nach China gereist ist, war weiter unklar.

Der aus nordkoreanischer Haft freigelassene Amerikaner Aijalong Mahli Gomes traf derweil zusammen mit dem früheren US-Präsident Jimmy Carter in Boston ein. Der Friedensnobelpreisträger hatte die Freilassung des 30-Jährigen in Pjöngjang erwirkt. Gomes war im Januar bei einem illegalen Grenzübertritt festgenommen und zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon lobte den Einsatz Carters und begrüßte es, dass Pjöngjang den Amerikaner aus humanitären Überlegungen freigelassen habe.