Stuttgart (dpa) - Im Konflikt um das Milliarden-Bahnprojekt Stuttgart 21 stößt Bahnchef Rüdiger Grube mit dem Vorschlag eines Runden Tisches auf breite Zustimmung in der Politik - aber auch auf Kritik bei den Gegnern.

Zum Knackpunkt wird Grubes Ankündigung, während des Treffens mit den Gegnern die Abbrucharbeiten am Stuttgarter Hauptbahnhof nicht auszusetzen: Die Bürgerinitiative «Leben in Stuttgart» macht einen Baustopp zur Bedingung für eine Teilnahme.

Überdies beschimpfte deren Chef den Manager: «Grube ist ein absoluter Trickser und Täuscher», sagte Gangolf Stocker der Nachrichtenagentur dpa. Eine andere Gegnergruppe, die sich der Rettung von fast 300 Bäumen nahe der Baustelle verschrieben hat, bezweifelte, dass Grubes Gesprächsangebot ernst gemeint ist.

Der Bahnchef hatte am Freitag, als in Stuttgart Zehntausende gegen das Projekt demonstrierten, angekündigt, sich im September erstmals mit Kritikern treffen zu wollen. Allerdings sei es aus Kostengründen nicht möglich, die Bagger ruhen zu lassen. Zudem sei die Bahn vertraglich zum Bauen verpflichtet.

Als mögliche Teilnehmer nannte Grube unter anderem Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne). Der langjährige Kritiker des Projekts begrüßte Grubes Offerte: «Ein solches Gesprächsangebot darf man nicht ausschlagen», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Ohne Baustopp gehe allerdings auch der Protest weiter. Der Fraktionschef der Landtags-Grünen, Winfried Kretschmann, sagte: «Die Gesprächsbereitschaft von Grube kommt spät, aber nicht zu spät.»

Die SPD, deren Spitze seit Jahren hinter dem Projekt steht, begrüßte Grubes Vorschlag. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke hofft, «dass ein Gespräch zur Verbesserung der Atmosphäre beiträgt», ist aber «skeptisch, was die Erfolgsaussichten anbelangt».

Auf Seiten der Stuttgart-21-Befürworter sind als Teilnehmer auch Ministerpräsident Stefan Mappus und Verkehrsministerin Tanja Gönner (beide CDU) vorgesehen.