Essen/Düsseldorf (dpa) - Für Karstadt bricht die Woche der Wahrheit an. Gelingt die lang hinausgezögerte Einigung zwischen Investor Berggruen und den Vermietern der Warenhäuser nicht, könnte nur noch ein Wunder helfen. Oder ein selbstbewusster Geschäftsmann aus Mailand.

Die vermutlich letzte Frist für eine Rettung des Handelskonzerns Karstadt läuft in dieser Woche ab. Investor Nicolas Berggruen und das Vermieter-Konsortium Highstreet müssen sich bis Donnerstag über Mietsenkungen für die Warenhäuser verbindlich einigen, damit der Kaufvertrag auch tatsächlich in Kraft tritt. Anderenfalls kann das Amtsgericht Essen den Insolvenzplan am Freitag nicht genehmigen. Die Frist dafür war bereits mehrfach verlängert worden. Nach einem Rückzug Berggruens bliebe den Karstadt-Mitarbeitern nur noch die Hoffnung auf den italienischen Warenhaus-Betreiber Maurizio Borletti, der weiterhin Interesse an einer Übernahme zeigt.

Die Bundesregierung erhöhte am Wochenende nochmals den Druck auf die Beteiligten, schließt aber eine Einmischung des Staates weiter aus. «Vermieter und Mieter müssen jetzt ihre Hausaufgaben machen und sich einigen. Das ist deren Verantwortung», sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) der «WirtschaftsWoche». Berggruen und Highstreet dürften nicht weiter die Nerven der Mitarbeiter strapazieren, sondern müssten zu einem «soliden Deal» kommen. «Der Staat kann und wird nicht Teil dieses Deals sein», betonte Brüderle.

Ein Berggruen-Sprecher sagte der «Bild am Sonntag», er rechne mit einem «professionellen Abschluss der Transaktion». Die Gewerkschaft Verdi fordert Highstreet mit einer Flugblatt-Aktion auf, «endlich grünes Licht für die Zukunft von Karstadt» zu geben.

Nach Informationen der «WirtschaftsWoche» erwägt der neue nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD), bei den beteiligten Banken zu intervenieren. Investor Berggruen hatte mehrfach die Politik um Vermittlung gebeten. Hinter dem Highstreet-Konsortium stehen unter anderem die US-Investmentbank Goldman Sachs und die Deutsche Bank.

Deren Vorstandsmitglied Jürgen Fitschen hatte nochmals Unterstützung der Bank für Berggruens Konzept zugesichert und sich für eine Einigung optimistisch gezeigt. Berggruen hatte zuvor die Rolle der Bank in dem nicht enden wollenden Verfahren kritisiert und ihr undurchsichtige Interessen vorgehalten. Allerdings hatte der Investor auch Erfolge in Gesprächen mit verschiedenen Gläubigern des Immobilienkonsortiums vermeldet.

Berggruens Widersacher Borletti legte in der vergangenen Woche ein geringfügig verändertes Angebot vor, das bei Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg jedoch auf wenig Begeisterung stieß. Der Italiener will 100 Millionen Euro für die Warenhauskette zahlen, sollte der Deal mit Berggruen doch noch scheitern. Der Unternehmer aus Mailand sagte der Tageszeitung «Die Welt» (Montag), Teil seiner Strategie für die Karstadt-Warenhäuser sei es, die Erdgeschosse von Koffern und Socken zu befreien und dort mehr auf Schmuck, Kosmetik und Produkte für Gelegenheitskäufe zu setzen. Er werde sowohl eigenes Geld investieren als auch wohlhabende Familien mit ins Boot holen. Borletti hatte erst nach Abschluss des offiziellen Bieterverfahrens sein Interesse bekundet.