Dortmund (dpa) ­ Vor ein paar Monaten lebte Lina noch völlig verwahrlost in der Türkei auf der Straße - jetzt hat die Hündin sogar den göttlichen Segen bekommen. Am Wochenende, in Dortmund, wo rund 1 000 Tierliebhaber auf einer Wiese den ersten ökumenischen Kirchentag «Mensch und Tier» feierten.

Lina ist mit ihrer neuen Besitzerin Iris Hopff angereist. Die 50-Jährige hat die Nacht in einem Autobus verbracht und schützt sich mit einem langen blauen Regenmantel vor der Nässe. Im Hintergrund tönt das Kirchenlied aus den Lautsprechern: «Auch du hast eine Seele, spürst die Freude, spürst den Schmerz. Bist ein Wesen dieser Schöpfung, hast ein tierisch großes Herz.» Hopff lächelt zufrieden: «Hier wurde die Kirche wieder interessant für mich», sagt sie. Es könne doch nicht sein, dass Tiere nicht mit in die Kirche dürfen.

So wie sie denken wohl auch die anderen Besucher der tierischen Premiere. Zwar waren deutlich weniger Menschen als erwartet gekommen. Der evangelische Pfarrer und Mitinitiator Friedrich Laker hatte im Vorfeld mit 8 000 Menschen gerechnet. Zufrieden sind die Tierfreunde aber trotzdem: Nach drei Tagen voller Diskussionen, Reden und Workshops gaben sie am Ende gemeinsam einen Appell an die Kirche ab: sich für die Würde der Tiere ­ und gegen Massentierhaltung einzusetzen. «Das ist ein gutes Ergebnis», findet Hopff.

«Wenn doch der Regen nicht wäre, dann wären bestimmt viel mehr Leute hier», sagt Detlef Gnatowksi aus Dortmund. Der 51 Jahre alte Hundefreund ist mit seinen Mischlingshunden Elvie und Jovi gekommen. «Ich finde richtig gut, dass die Themen Kirche und Tiere gekoppelt werden», sagt er.

Nicht nur Hunde waren das Thema des Wochenende, sondern auch Laboraffen, Tauben ­ oder Fische. «Das Leid der Fische wird unterschätzt, Überfischung ist für uns hier ein großes Thema», sagt Laker vom ausrichtenden Verein «Aktion Kirche und Tiere» (AKUT). Fleisch oder Fisch gibt es nicht an den Essensständen. Besucher haben die Auswahl zwischen Champignons, Reibekuchen oder Gemüsepizza.

Und zwischen viel Prominenz: Eugen Drewermann etwa, der bekannte Theologe und suspendierte katholische Pfarrer, diskutierte am Samstag mit den Besuchern. Auch WDR-Moderatorin Claudia Ludwig («Tiere suchen ein Zuhause») und Prinzessin Maya von Hohenzollern kamen zur tierischen Kirchentagspremiere. Musikalischer Höhepunkt des Kulturprogramms war ein Auftritt des ehemaligen Genesis-Sängers Ray Wilson zusammen mit dem Berlin Symphony Ensemble.