Kabul/Berlin (dpa) - Bei einem Taliban-Angriff im Nordosten Afghanistans sind nach Angaben der Polizei ein deutscher und sechs amerikanische Mitarbeiter einer christlichen Hilfsorganisation getötet worden.

Ein weiterer ausländischer und zwei afghanische Mitarbeiter der Augenklinik seien ebenfalls erschossen worden, sagte der Polizeichef der Provinz Badachschan, Agha Nur Kentus. Bei Kämpfen und Anschlägen kamen zudem zwei NATO-Soldaten, sechs afghanische Polizisten und zwei Zivilisten um. Außerdem wurden 14 Aufständische getötet. Das teilten die Behörden mit.

Die Taliban bekannten sich zu der Tötung der ausländischen Helfer. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa handelt es sich bei dem deutschen Opfer um eine Frau. Die Bundesregierung verurteilte den «feigen Mord» und forderte die Bestrafung der Täter. Der Vorfall unterstreiche die Notwendigkeit, «weiter zielstrebig auf eine Stabilisierung der Lage in Afghanistan hinzuwirken», sagte Vize-Regierungssprecherin Sabine Heimbach.

Die Opfer arbeiteten nach Angaben der Polizei für die Augenklinik Noor in Kabul. Sie gehörten zur christlichen Hilfsorganisation International Assistance Mission (IAM). IAM-Direktor Dirk Frans sagte, vermutlich seien sechs Amerikaner, ein Deutscher, ein Brite und zwei Afghanen getötet worden. Sie hätten in der Region medizinische Hilfe geleistet. Offiziell bestätigen könne IAM den Tod aber erst nach einer vollständigen Untersuchung.

Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte der dpa per Telefon, es habe sich um «christliche Missionare» gehandelt, die Geheimdienstinformationen in der Gegend gesammelt hätten. «Wir haben Spionagedokumente bei ihnen gefunden.» Zu dem Vorfall kam es nach Angaben der Polizei am Donnerstag in einer entlegenen Bergregion im Grenzgebiet zwischen der relativ ruhigen Provinz Badachschan und der weitaus gefährlicheren Provinz Nuristan.

Das Auswärtige Amt und die US-Botschaft bestätigten die Opferzahlen zunächst nicht. Die Klärung des Vorfalls dauerte nach Angaben des Bundespresseamtes am Samstagnachmittag an. Die Sprecherin der US-Botschaft in Kabul, Caitlin Hayden, sagte: «Wir haben Grund zu der Annahme, dass mehrere amerikanische Staatsbürger unter den Verstorbenen sind.» Die Botschaft arbeite mit den afghanischen Behörden aber noch daran, die Identität der Opfer zu ermitteln.

IAM teilte am Samstag auf seiner Homepage mit, vermutlich seien die Opfer einheimische und ausländische Angehörige eines mobilen Augenarzt-Teams. Nach ihrer medizinischen Arbeit in der Provinz Nuristan, die an Badachschan angrenzt, sei die Gruppe auf dem Rückweg nach Kabul gewesen. Man hoffe, dass «diese Tragödie» nicht dazu führe, dass IAM nach 44 Jahren im Land die Arbeit einstellen müsse. Die deutsche Christoffel-Blindenmission, die mit der IAM zusammenarbeitet, will ihre Projekte in dem Land zunächst aussetzen.