Stockholm (dpa) - Tyson Gay kostete seinen historischen Sieg äußerlich völlig gelassen, aber innerlich spürbar brodelnd aus. Zunächst schüttelte er nur ein paar Hände und winkte ins Publikum, aber dann sagte er: «Das war sehr wichtig für die Fans und für den Sport.»

Usain Bolt, der scheinbar Übermenschliche, ist doch schlagbar, Gay hängte ihn beim Diamond-League-Meeting der Leichtathleten in Stockholm über 100 Meter regelrecht ab. Nach 9,84 Sekunden kam der Amerikaner ins Ziel, erst 13/100 später Bolt (9,97): Für den Weltmeister, Olympiasieger und Weltrekordler aus Jamaika war das die erste Niederlage seit mehr als zwei Jahren.

«Ich bin nicht unbesiegbar. Auch ich kann geschlagen werden, das wurde heute gezeigt», sagte der 23-Jährige. Er war Gay den ganzen Abend über nur hinterhergelaufen: Erst verpatzte er den Start und holte den Weltmeister von 2007 nicht mehr ein auf der Bahn, dann musste er ihm auch im Auslauf noch folgen, um ihm zu gratulieren. Dieses Gefühl hatte Bolt zuletzt am 22. Juli 2008 erlebt: Da verlor er ebenfalls in Stockholm gegen seinen in Stockholm verletzt fehlenden Landsmann Asafa Powell. Seitdem hatte der Superstar bei den Olympischen Spielen in Peking und bei der WM in Berlin alle Goldmedaillen über 100, 200 und 4 x 100 Meter abgeräumt und über 100 (9,58) und 200 Meter (19,19) zudem zwei Fabelweltrekorde aufgestellt.

Für Gay war es der erste 100-Meter-Erfolg überhaupt gegen Bolt, aber der 28-Jährige erkannte schnell: «Ich bin wirklich sehr glücklich über den Sieg, aber Usain war nicht in seiner besten Form. Ich freue mich schon darauf, gegen sie zu laufen, wenn er und Asafa in der Verfassung für 9,6er-Zeiten sind.»

So kamen in Stockholm zwei Dinge zusammen: Bolt hängt immer noch die 42-tägige Zwangspause nach, die er von Ende Mai bis Anfang Juli wegen einer Entzündung an der Achillessehne einlegen musste. Gay dagegen kommt wie schon im vergangenen Jahr in der zweiten Saisonhälfte immer besser in Form. 2009 war er im WM-Finale zunächst noch chancenlos gewesen gegen seinen Rivalen. Im September lief er dann in Shanghai mit 9,69 Sekunden die zweitbeste 100-Meter-Zeit der Leichtathletik-Geschichte. Zum nächsten Duell zwischen Bolt und Gay soll es bereits am 27. August beim Diamond-League-Finale in Brüssel kommen. Dann ist auch ein Start von Ex-Weltrekordler Powell geplant.