Berlin/Palo Alto (dpa) - Nach dem überraschenden Rücktritt an der Konzernspitze von Hewlett-Packard (HP) lässt sich die Bilanz von Mark Hurd schnell zusammenfassen: Gute Zahlen, schlechte Stimmung.

Gescheitert ist er letztlich am «HP Way», wie die Werte des traditionsreichen IT-Konzerns für das Verhalten nach innen wie nach außen zusammenfassend bezeichnet werden.

«Diese Werte, die wir an der Basis noch leben, werden vom Top- Management nicht mehr gelebt», sagte ein HP-Mitarbeiter in Deutschland der dpa. Das bedeutet aber nicht, dass sie ihre Wirksamkeit verloren haben. So bezog sich die Begründung für den plötzlichen Rücktritt Hurds am Freitagabend ausdrücklich auf die «standards of business conduct» von HP, also auf die Standards für den geschäftlichen Umgang, die allen Mitarbeitern einmal im Jahr in einem speziellen Training ans Herz gelegt werden.

Eine Untersuchung zum Vorwurf der sexuellen Belästigung einer externen Marketing-Beraterin wies zwar keinen Verstoß gegen Richtlinien des Unternehmens in dieser Frage nach, wohl aber gegen die allgemeinen Firmenstandards. Chefjustiziar Michael Holston sprach von einer «engen persönlichen Beziehung» Hurds zu einer externen Beraterin. Bei den Ermittlungen tauchten dann fragwürdige Abrechnungen des Vorstandschefs auf.

Hurd wurde im Februar 2005 HP-Chef, als Nachfolger von Carly Fiorina, die nun für die Republikaner in die Politik gegangen ist. Der Manager war zuvor 25 Jahre für das IT-Unternehmen NCR tätig, zuletzt drei Jahre als Vorstandschef. Sein Wirtschaftsstudium absolvierte er an der privaten Baylor University in Texas, die baptistisch geprägt ist.

Bei HP hatten es viele begrüßt, dass nach der auf Außenwirkung bedachten Fiorina nun wieder ein nüchterner Zahlenmensch an der Spitze stand. «Ich fand das außerordentlich beeindruckend, wie konkret und präzise er seine Strategien präsentiert hat», erinnert sich der deutsche HP-Mitarbeiter.

«Aber dann hat Mark angefangen, die Schrauben anzuziehen. Und das hieß sparen, koste es, was es wolle.» Tausende von Stellen wurden gestrichen. Der Sparkurs habe sich auch negativ beim Support bemerkbar gemacht, sagt der Insider. «Vieles läuft nicht rund, weil überall gespart werden muss.» Inzwischen verliere HP auch «gute Leute, die man niemals ziehen lassen darf».