Neu Delhi (dpa) - In der Liste der Grundwerte der christlichen Hilfsorganisation International Assistance Mission (IAM) steht «Abhängigkeit von Gott» ganz oben. Doch alles Gottvertrauen rettete die Helfer nicht, die nun im Nordosten Afghanistans erschossen wurden.

Für die Taliban waren sie «christliche Missionare»: Ein deutscher, sechs amerikanische und zwei afghanische IAM-Mitarbeiter, die offenbar als mobiles Augenarzt-Team unterwegs waren, bezahlten ihr humanitäres Engagement mit dem Leben.

Nach Angaben der Polizei vom Samstag wurden die Helfer bereits am Donnerstag im abgelegenen Grenzgebiet zwischen den Provinzen Badachschan und Nuristan getötet. Ein Mitarbeiter, der fliehen konnte, alarmierte die Polizei. Offiziell bestätigen wollte IAM den Tod zwar erst nach einer vollständigen Untersuchung und nach der Überführung der Leichen nach Kabul. IAM-Direktor Dirk Frans sagte aber, man gehe davon aus, dass es sich bei den Toten um die Mitarbeiter des Augenarzt-Teams handele. Das deutsche Opfer soll ersten Erkenntnissen zufolge eine Frau sein.

Wer im gefährlichen Afghanistan für IAM arbeitet, der muss ein Idealist sein. Manche der freiwilligen Helfer aus dem Ausland finanzierten ihren Aufenthalt aus eigener Tasche, heißt es auf der Homepage; andere würden von Gruppen aus der Heimat unterstützt. Die meisten der IAM-Fachkräfte könnten zu Hause oder bei einem anderen internationalen Arbeitgeber in Afghanistan das zwei- bis sechsfache Gehalt verdienen, schreibt das Hilfswerk.

Nicht selten sind es solche Idealisten, die sich gutgläubig in Gefahr bringen im Krisengebiet am Hindukusch. Sie vertrauen darauf, dass man ihnen, die ja nur Gutes wollen, schon nichts antun wird. So wurde im August 2007 eine schwangere deutsche Helferin einer christlichen Organisation am hellichten Tage aus einem Imbiss in Kabul verschleppt. Anwohner sagten damals, die Frau - sie wurde kurz darauf gewaltsam befreit - sei täglich auf der Straße spazieren gegangen, was schon damals nicht ratsam war.

Große internationale Hilfsorganisationen setzen statt auf «Liebe für alle» - ein weiterer IAM-Grundwert - auf strenge Schutzmaßnahmen. Während andere Helfer nur noch in gepanzerten Fahrzeugen unterwegs sind, bewegten sich die nun getöteten IMA-Mitarbeiter nach Informationen von stern.de zeitweise auf Pferden durch die Region.

Auch auf andere Maßnahmen, die Übeltäter abschrecken könnten, verzichtete IAM. «Wir hatten niemals irgendeinen bewaffneten Schutz», sagt Frans. «Wir sind eine humanitäre Organisation, die sich im Grunde darauf verlässt, von der örtlichen Gemeinschaft willkommen geheißen zu werden. Also hatte auch dieses Team keinen bewaffneten Schutz.» Dabei operieren in Nuristan - einer der gefährlichsten Provinzen Afghanistans - die radikalislamischen Taliban, im benachbarten Badachschan treiben kriminelle Banden ihr Unwesen.