Rom (dpa) - «Tutto nuovo!» Eineinhalb Monate nach Italiens größtem WM-Debakel aller Zeiten setzt der viermalige Weltmeister mit einer runderneuten Nationalelf zum Comeback an.

Cesare Prandelli hat die «Squadra Azzurra» für sein Debüt als Nationaltrainer im Testspiel am 10. August in London gegen die Elfenbeinküste revolutioniert: Bis auf neun Spieler musterte der Nachfolger des gescheiterten Marcello Lippi alle WM-Versager von Südafrika aus. Stattdessen setzt der 52-jährige auf die von Lippi hartnäckig ignorierten Amauri, Balotelli, und Cassano - das neue «ABC» des italienischen Fußballs.

Der eingebürgerte Brasilianer Amauri von Juventus Turin als neue Sturmspitze ist dabei noch die kleinste Überraschung. Dass Prandelli aber gleich im ersten Spiel in der Offensive auf Inter Mailands Sturmtalent Mario Balotelli (19 Jahre) und Spielmacher Antonio Cassano (28) von Sampdoria Genuas setzt, ist mutig. Beiden eilt der zweifelhafte Ruf als «Troublemaker» voraus. Für Lippi waren sie trotz ihrer fußballerischen Qualitäten nicht nationalteamtauglich.

Prandelli sieht das anders, ist aber nicht blauäugig: «Ich habe sie nominiert, um ihr Verantwortungsbewusstsein zu stärken.» Der ehemalige Trainer des AC Florenz geht selbstbewusst an die größte Herausforderung seiner Karriere heran: «Ich bin zwar sehr aufregt, habe aber eine wahnsinnige Lust, diese Mannschaft zu trainieren.»

Gegen die Elfenbeinküste will Prandelli auch dem Stuttgarter Cristian Molinaro auf der linken Abwehrseite eine Chance geben. Nach dem Rücktritt von Fabio Cannavaro trägt in London Daniele De Rossi die Kapitänsbinde. Im Tor steht Ersatzkeeper Salvatore Sirigu. Der Stammkeeper und zukünftige Kapitän Gianluigi Buffon kuriert sich nach seiner Bandscheiben-Operation aus, sein Vertreter Federico Marchetti musste mit Adduktoren-Problemen abreisen.

Prandelli bleibt dennoch gelassen. Die Stimmung ist entspannt, weil die Chemie zwischen ihm und den Spielern offenbar stimmt. «Wir sind mit dem richtigen Fuß gestartet», versicherte der Trainer.

Nach dem Sturz ins Bodenlose am Kap hat sich der italienische Fußballverband (FIGC) erstaunlich schnell berappelt. Die «Squadra Azzurra» ist völlig neu aufgestellt - auf und abseits der Platzes. Mit Ex-Nationalstürmer Roberto Baggio, dem früheren Nationaltrainer Arrigo Sacchi und Italiens Fußball-Legende Gianni Rivera stellte FIGC-Präsident Giancarlo Abete dem neuen Nationalcoach drei kompetente und charismatische Fußballgrößen zur Seite. Sie werden sich im Verband um den Nachwuchs kümmern.