Wiesbaden (dpa) - Die deutschen Unternehmen schütteln die Krise ab. Die Exporte boomen wieder, auch wenn das Niveau von 2008 noch nicht ganz erreicht ist. Im Juni stiegen die Ausfuhren um 28,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Bei der Nachfrage nach Produkten aus dem Ausland gibt es sogar einen neuen Rekord: Noch nie wurde so viel nach Deutschland importiert wie im vergangenen Monat. Der Außenhandel blüht also wieder, doch den Titel des Exportweltmeisters bekommt Deutschland trotzdem nicht zurück: Laut einer DIHK-Studie behauptet China den Spitzenplatz.

Die deutsche Wirtschaft lieferte im Juni Waren im Wert von 86,5 Milliarden Euro aus - so viel wie seit Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise nicht mehr. Einen höheren Wert (88,7 Milliarden Euro) hatten die deutschen Ausfuhren zuletzt im Oktober 2008 erreicht. Danach brach die globale Nachfrage ein und die deutschen Exporte stürzten auf unter 60 Milliarden Euro ab.

«Die Erholung bei den Exporten und Importen übertrifft alle Erwartungen», sagte Anton Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). Deutschland werde «das Vorkrisenniveau schneller erreichen als erwartet», wenn sich die positive Entwicklung fortsetze.

«Ich freue mich über das hohe ausländische Interesse an Waren 'Made in Germany'», sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Der wirtschaftliche Erholungsprozess gewinne «an Breite und Festigkeit», weil auch die Belebung der Binnenkräfte voranschreite.

Nach den Worten von Commerzbank-Volkswirt Simon Junker sind die Chancen gestiegen, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal noch stärker gewachsen ist als bislang unterstellt: «Selbst unsere optimistische Prognose eines Anstiegs von 1,5 Prozent gegenüber dem ersten Quartal könnte somit übertroffen werden.» Die entsprechenden Zahlen veröffentlicht das Statistische Bundesamt am Freitag.

Noch kräftiger als die Ausfuhren zogen im Juni die Importe an: Sie stiegen auf Jahressicht um 31,7 Prozent auf einen Wert von 72,4 Milliarden Euro - dem höchsten seit Beginn der Erhebung der Datenreihe im Jahr 1950. Die Außenhandelsbilanz schloss im Juni mit einem Überschuss von rund 14,1 Milliarden Euro ab. Gegenüber dem Vormonat Mai stiegen die Ausfuhren im Juni kalender- und saisonbereinigt um 3,8 Prozent und die Einfuhren um 1,9 Prozent.