Locarno (dpa) - Das 63. Internationale Filmfestival Locarno ist ein voller Erfolg. Hollywood-Star John C. Reilly brachte es auf den Punkt: «Hier leuchtet wirklich die Magie des Kinos».

Der Schauspieler präsentierte vor fast 9000 Zuschauern seinen neuen Spielfilm «Cyrus» bei einer der abendlichen Freiluftaufführungen auf der Piazza Grande des schweizerischen Urlaubsparadieses am Lago Maggiore. Reilly ist hell begeistert von der Festivalatmosphäre - er und seine Frau beschlossen spontan, ihren Aufenthalt um einige Tage auszudehnen. Am kommenden Samstag geht das Festival zu Ende.

Reillys Film wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. Er spielt den unter Einsamkeit leidenden Endvierziger John, dem eine unerwartete Liebe neue Kraft gibt. Doch der erwachsene Sohn der Angebeteten reagiert mit Eifersucht und es wird dramatisch. Witz und Gefühl geben dem Verlauf des Geschehens eine angenehme Leichtigkeit. Das Ensemble mit Reilly an der Spitze bietet feinste Charakterstudien. Die außerhalb des Wettbewerbs gezeigte Komödie der Brüder Mark und Jay Duplass kommt ab Herbst in die deutschen Kinos.

Auch den internationalen Wettbewerb prägen vor allem herausragende Schauspieler. Dazu gehört Ex-Bond-Girl Eva Green, die mit aufregend kühler Eleganz die Hauptrolle in der deutsch-ungarisch-französischen Produktion «Womb» («Die Gebärmutter») spielt. Regisseur Benedek Fliegauf denkt in seinem ausgeklügelten Science-Fiction-Thriller originell darüber nach, was passieren könnte, wenn das Klonen von Menschen alltäglich wäre. Damit machte das junge deutsche Kino im Wettbewerb von Locarno erneut auf sich aufmerksam.

Geprägt wird der internationale Wettbewerb, in dem bis zum 14. August 18 Filme um die begehrten Silbernen und Goldenen Leoparden konkurrieren, zwar von Filmen voller Gewalt und Sex, den größten Beifall erhielt jedoch eine Geschichte ohne brutale Momente und deutliche Sexszenen. Sie erzählt sehr schlicht von der Schwierigkeit, das Leben zu meistern: «La petite chambre» («Das kleine Zimmer»). Die schweizerisch-luxemburgische Koproduktion der Regisseurinnen Stéphanie Chuat und Véronique Reymond zeigt die Begegnung eines alten Mannes und einer jungen Frau, die nach einer Totgeburt ihr Gleichgewicht verloren hat. Die Inszenierung umschifft allen Kitsch und begeistert besonders durch die Akteure, allen voran der berühmte französische Charakterdarsteller Michel Bouquet.

Die Bilanz zur Halbzeit des 63. Internationalen Filmfestivals von Locarno fällt absolut positiv aus: der neue künstlerische Direktor Olivier Père hat ein spannendes Programm zusammengestellt, das vom Publikum mit großem Zuspruch angenommen wird. Wenn die Qualität in der zweiten Halbzeit gehalten wird, hat es die Jury ungemein schwer, am 14. August die Preise des Festivals gerecht zu verteilen.

www.pardo.ch