Madrid (dpa) - Der FC Barcelona spielt den schönsten Fußball, Real Madrid leistet sich die teuersten Stars, und die spanische Nationalelf gewann nach der EM auch die WM: Spanien wird in aller Welt um seine Fußballer beneidet. Aber im spanischen Fußball herrschen keineswegs nur Glanz und Gloria.

Unterhalb der glänzenden Spitze verbirgt sich ein maroder Unterbau, in dem es nach Schiebung und Korruption stinkt. Der Erstliga-Aufsteiger Hércules Alicante steht im Verdacht, den Einzug in die Primera División mit unlauteren Mitteln geschafft zu haben. Der kürzlich aufgedeckte Skandal ist kein Einzelfall. Auch die vergangenen Spielzeiten hatten alle ihre Fußballskandale: Drei Jahre in Serie wurden jeweils nach Saisonschluss Indizien publik, die nahelegten, dass Spiele von Profi-Clubs - überwiegend in der 2. Liga - verschoben wurden. «Der spanische Fußball steht unter Verdacht», schrieb die Zeitung «El País». «Der jüngste Skandal legt offen, wie weit die Korruption sich in den Profi-Ligen ausgebreitet hat.»

Alicantes Mehrheitsaktionär Enrique Ortiz soll versucht haben, zur Sicherung des Aufstieg die Zweitliga-Teams aus Córdoba, Salamanca, Gerona und Huelva zu bestechen. Abgehörte Telefongespräche deuten darauf hin, dass Córdobas Torwart Raúl Navas 100 000 Euro Schmiergeld erhielt. «Mann, das war super, wie der Keeper sich in die falsche Ecke warf», soll Ortiz in einem Gespräch geprahlt haben.

Ein Jahr zuvor hatte der Vereinsboss nach Ermittlungen der spanischen Justiz sich noch dagegen gesträubt, den Gegnern der Aufstiegsrivalen «Motivationsprämien» zu zahlen. Er ließ sich, wie «El País» berichtete, jedoch vom damaligen Trainer Juan Carlos Mandiá darüber belehren, dass solche Prämien zum Geschäft gehören: «Wenn wir nicht zahlen, spielen wir in einer anderen Liga», sagte der Coach. Am Ende der Saison 2008/2009 verpasste Hércules den Aufstieg knapp. Zwei Zweitliga-Partien dieser Spielzeit gerieten ins Visier der Europäischen Fußball-Union (UEFA), weil deren Ausgang manipuliert und zu Wettgewinnen genutzt worden sein soll.

Die Justiz nahm Ermittlungen auf, aber diese verliefen bald im Sande. Dies war auch beim großen Fußballskandal des Jahres 2008 nicht anders. Damals berichtete der Spieler Jesuli in einem Telefongespräch, die Spieler seines Clubs CD Teneriffa hätten vor ihrer 1:2 Niederlage beim FC Málaga ein Schmiergeld von je 6000 Euro erhalten. Málaga sicherte sich damals mit dem Sieg den Aufstieg. Im Tor von Teneriffa stand pikanterweise jener Raúl Navas, der als Keeper des CF Córdoba jetzt im «Fall Hércules» erneut in Erscheinung tritt. Jesuli bestritt später seine Äußerungen, und die Ermittler legten den Fall zu den Akten.

Die Korruptionsskandale im spanischen Fußball hatten aus einem einfachen Grund kein juristisches Nachspiel: Nach spanischem Recht ist Bestechung im Sport oder der Kauf von Partien nicht strafbar, obwohl im Fußball Millionensummen an Fernseh- und Werbegeldern auf dem Spiel stehen. Dies wird erst am 22. Dezember anders, wenn ein neues Gesetz in Kraft tritt.

Spaniens Fußball krankt schon seit Jahren daran, dass jeweils gegen Saisonende die berühmten «maletines» (Geldköfferchen) hin- und hergeschoben werden. Damit sind die Prämienzahlungen gemeint, mit denen die Clubs im Kampf um den Aufstieg oder gegen Abstieg die Gegner ihrer direkten Konkurrenten motivieren. Die Tonbandaufzeichnungen im jüngsten Bestechungsskandal bestätigen auch eine Äußerung von Javier Clemente: «Von den Siegprämien an Dritte spricht man nicht nur, es gibt sie auch», sagte er. Abraham Paz, Profi des in Verdacht geratenen Aufsteigers Hércules, meinte: «Wenn man unseren Aufstieg unter die Lupe nimmt, sollte man auch die Erstliga-Aufstiege der vergangenen 15 Jahre untersuchen.»