München (dpa) - Die Nerven der Olympia-Dritten Munkhbayar Dorjsuren spielte diesmal nicht mit. Die Pistolen-Schützin aus München verpasste das Finale ihrer Spezialdisziplin und hatte bei ihrer Heim-WM Tränen in ihren Augen.

«Die Psyche spielt bei uns halt immer eine Rolle. Es tut mir leid, dass ich so viele Leute enttäuscht habe. Aber dennoch danke an allen, die mich unterstützt, von den Trainern und Funktionären bis hin zur Putzfrau und den Helfern. Aber vielleicht war der Druck hier am eigenen Schießplatz zu groß», sagte Dorjsuren, die minutenlang in der Hocke versank und mit ihren Leistungen haderte.

Damit bleibt die magere WM-Bilanz des Deutschen Schützen-Bundes (DSB) von nur einmal Gold und Silber auch nach 14 von 15 olympischen Disziplinen bestehen. Auch im Skeet der Männer deutete sich mit Axel Wegner (Brandis), Olympiasieger von 1988, nach den ersten drei Serien kein Finaleinzug für den Abschlusstag an.

Das Ergebnis von Dorjsuren hatte sich bereits am Vortag angedeutet, als sie mit der Luftpistole nur auf einen enttäuschenden 48. Platz kam. «Über Nacht von der Frustration her Konzentration aufzubauen ist eben schwierig. Dazu war auch der Zeitplan sehr komisch. Die Experten setzten jedoch auf die gebürtige Mongolin, denn auch 2008 in Peking versagte sie am Vortag und holte 24 Stunden später Olympia-Bronze.

Doch der Druck war einfach riesig. Das spürte man auch am Gesichtsausdruck ihrer 16-jährigen Tochter Ujin, die vor der zweiten Serie mehr als nur nervös war. Neben ihr drückten zahlreiche Familienmitglieder, Freunde aus ihrer mongolischen Heimat und auch bayerische Vereinskollegen die Daumen die 41-Jährige, die vor einem Jahr aus der Bundeswehr gehen musste, weil die Altersgrenze überschritten war. Nun hat sie eine Halbtagsstelle beim Waffen- Hersteller Walther.

Bislang galt «Munki» immer als Konzentrations-Künstlerin. «Am besten klappt es immer, wenn man sich beim Finale in einem Trance- Zustand versetzen kann», sagte sie einmal. Doch plötzlich reichte es nicht für das Finale der besten Acht. «Ich hatte mir selbst zu viel Druck gemacht, da der letzte Erfolg bei einer WM zu lange her war», sagte die Weltmeisterin von 2002 in Lathi. Enttäuscht war auch Pistolen-Bundestrainer Peter Kraneis, der seine Vorzeige-Schützin nach dem Debakel am Vortag mit langen Spaziergängen und Einzelgesprächen aufbauen wollte. «Sie hat eigentlich gut gearbeitet am Schießstand bis auf nur ganz wenige Schüsse, doch die reichen eben aus», sagte der Leipziger.