Düsseldorf/Stuttgart (dpa) - Die Schmiergeldaffäre des Anlagenbauers Ferrostaal hat ein gemeinsames deutsches Rüstungsprojekt in Algerien platzen lassen. Nach Informationen des «Handelsblatts» ist Autobauer Daimler aus dem Vorhaben ausgestiegen und will nun das Geschäft ohne Ferrostaal durchziehen.

Hintergrund für die Kehrtwende des Stuttgarter Konzerns sollen die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen das Essener Unternehmen wegen möglicher Schmiergeldzahlungen unter anderem für ein U-Boot-Geschäft mit Griechenland sein.

Daimler bestätigte am Montag indirekt die Angaben des Blatts. «Derzeit führen wir direkte Gespräche mit den algerischen Partnern über die Umsetzung des Projektes», sagte eine Daimler-Sprecherin. «Die Situation bei Ferrostaal ist uns bekannt.» Laut «Handelsblatt» haben auch MAN und ThyssenKrupp Abstand von dem Gemeinschaftsprojekt genommen. Ein Ferrostaal-Sprecher in Essen wollte den Bericht dagegen nicht kommentieren.

Daimler hatte vor einem Jahr mit den Unternehmen Deutz, Ferrostaal, MTU Friedrichshafen und Rheinmetall den Plan entwickelt, in Algerien Fahrzeuge und Motoren montieren zu lassen. Dazu wurde im August 2009 mit dem Abu Dhabi Staatsfonds Aabar und den algerischen Ministerien für Verteidigung und Industrie eine Grundsatzerklärung, ein sogenanntes Memorandum of Understanding, abgeschlossen.

Ferrostaal sollte nach damaligen Angaben das Gesamtprojekt als Generalunternehmer führen und später auch den Betrieb der Montageeinrichtungen übernehmen. Das Geschäftsvolumen liegt laut «Handelsblatt» bei mehreren Milliarden Euro.

Die deutschen Unternehmen sollten nach den Plänen von vor einem Jahr Lizenzen und Schutzrechte sowie Teilesätze für die Herstellung aus Deutschland zuliefern. Produziert werden sollten neben Motoren die Modelle Sprinter, Unimog, G-Klasse und weitere allradgetriebene Fahrzeuge, laut «Handelsblatt» auch Panzer.