Berlin (dpa) - Das kennt man vom Fußball: Millionen fließen, wenn Spieler den Klub wechseln. In der Welt der klassischen Musik, sonst eher dem Wahren, Schönen und Guten verschrieben, sind teure Künstlertransfers selten.

So war es eine Sensation, als im Februar Lang Lang für schätzungsweise drei Millionen US-Dollar (2,36 Millionen Euro) von der Traditions-Plattenfirma Deutsche Grammophon zum Label Sony Classical wechselte. Der 28-jährige Pianist ist ein auf der ganzen Welt anerkannter Künstler - heute Berlin, übermorgen Peking. Als «Markenbotschafter» soll er für 3D-Fernseher werben und multimedial präsent sein. Seine erste CD für Sony ist jetzt erschienen - pünktlich zur Internationalen Funkausstellung in Berlin.

«Live in Vienna» heißt die neue CD. Sie wurde bei einem Solokonzert in Wiens Klassiktempel, dem Musikvereinssaal, aufgenommen. Der Auftritt vom vergangenen Jahr wird für alle Kanäle verwertet. Neben der CD gibt es eine DVD als «Making of», eine Blu-Ray-Disc sowie ein Version in 3D, für die der chinesische Musiker im Berliner Klub «Berghain» das ganze Konzert gleich nochmal spielte. Vinyl-Liebhaber können das Konzert auch auf zwei Platten haben.

Hinter dem Label-Wechsel steht ein heftiger Kampf um Marktanteile zwischen den Giganten der Branche, der zum französischen Vivendi-Konzern gehörenden Universal Music (Deutsche Grammophon, Decca) und Sony. Im vergangenen Jahr wechselte Decca-Chef Bogdan Roscic als Klassik-Boss zu Sony. Kurz danach folgte Lang Lang, der bereits seit 2008 als Werbeträger für die Japaner unterwegs war.

Für sein Sony-Debüt suchte sich Lang Lang unter anderem Beethovens «Appassionata». Um die Sturm-und-Drang-Sonate habe er sich lange gedrückt, «doch irgendwann platzte der Knoten», sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Die Anfangsakkorde sind fast so berühmt wie das «Ta-ta-ta-taaa» von Beethovens Fünfter. Von Arthur Rubinstein bis Glenn Gould und Maurizio Pollini - irgendwann spielen alle Pianisten Opus 57.

Lange habe er an dem Stück gearbeitet, unter anderem mit Daniel Barenboim. Das Video der Meisterklasse in Chicago ist ein Renner im Internet. Der Lehrer nimmt dabei seinen jungen Schüler aus China ziemlich in die Mangel. «Mit Barenboim lernt man vor allem, den Sinn von Musik zu verstehen.»

Die strenge Lektion steigert nur die Sympathie für den Virtuosen, der mit fünf Jahren mit dem Klavierspielen begann, nachdem er im Fernsehen ein Katz-und-Maus-Spiel mit Tom und Jerry sah. Da wird Kater Tom als Konzertsolist zu Franz Listzs Ungarischer Rhapsodie Nr. 2 von der Maus bis auf Blut geärgert - eine wahnwitzige Verfolgungsjagd über Tasten und Saiten.