London (dpa) - Ein Nachwuchsstar soll es für das Fußball-Mutterland nach der verpatzten WM richten. Es war kein Zufall, dass der englische Verband vor dem EM-Qualifikationsauftakt gegen Bulgarien Theo Walcott vor die Kameras schickte.

Denn der 21 Jahre junge Arsenal-Nachwuchsstar gehört derzeit zu den wenigen positiven Erscheinungen bei den «Three Lions», die bei der WM nicht erst beim 1:4 im Achtelfinale gegen Deutschland enttäuschten.

Englands seitdem umstrittener Nationaltrainer Fabio Capello hatte Walcott nicht mit nach Südafrika genommen. Doch dafür gab der schnelle Stürmer, der mit vier Treffern in drei Spielen einen fulminanten Liga-Start hinlegte, nur sich selbst die Schuld. Vor dem Quali-Start im Wembley-Stadion versprühte Walcott großes Selbstvertrauen: «Wir haben fantastische Spieler und einen enormen Glauben an uns.»

Dagegen schießt sich die Presse auf Capello mit seinem Jahressalär von sechs Millionen Pfund ein. Der gab sich trotzig und betonte: «Ich bin ein Kämpfer.» Capello kritisierte zudem die britischen Medien für ihre radikalen Umschwünge: «Vor der WM war ich einer der besten Trainer der Welt, seitdem ist offenbar alles ein großes Problem, und meine Werte werden hinterfragt.»

Auch am angeblichen Selbstvertrauen sind Zweifel erlaubt. «Etwas zerzaust» sei Stürmer-Star Wayne Rooney vom fehlgeschlagenen WM- Abenteuer zurückgekehrt und bis jetzt noch nicht wieder der alte, enthüllte jüngst Manchester Uniteds Co-Trainer Mike Phelan im Boulevardblatt «The Sun». Immerhin traf Rooney am Wochenende zum ersten Mal seit Ende März wieder in einem Pflichtspiel für Verein oder Nationalmannschaft - allerdings vom Elfmeterpunkt.

Von Verjüngung und Erneuerung, die Capello nach Südafrika versprach, ist derweil noch wenig zu sehen. Der Italiener kündigte Fußball-Ikone David Beckham von Los Angeles Galaxy erst ohne jedes Fingerspitzengefühl das Ende dessen internationaler Karriere an, um jüngst wieder zurückzurudern. Die Tür für den 35-Jährigen stehe nach 115 Länderspielen doch noch offen.

Gegen Bulgarien und die Schweiz plagen Capello zudem große Verletzungssorgen. Mit den Abwehrchefs John Terry und Rio Ferdinand fehlt die etatmäßige Innenverteidigung, und selbst der Einsatz von Ersatzmann Phil Jagielka vom FC Everton, im Testspiel gegen Ungarn zuletzt erste Wahl, ist fraglich. Auch die Stürmer Peter Crouch und Jermain Defoe drohen auszufallen. Mittelfeldspieler Frank Lampard musste wegen einer Leistenoperation schon vorher passen.