Frankfurt/Main (dpa) - WM-Torhüter Manuel Neuer wird auch die neue EM-Phase als Deutschlands Nummer 1 angehen - doch das reicht dem Schalker nicht. Das Welt-Championat in Südafrika hat beim 24-Jährigen die Lust auf eine lange Zeit als Stammkeeper der Fußball-Nationalmannschaft geweckt.

«Ich habe noch viele Turniere vor mir», sagte Neuer, der gern eine neue Torwart-Ära im DFB-Team einleiten würde. Das war zuletzt Oliver Kahn gelungen: Kahn stand von 1998 bis 2004 als unumstrittene Nummer 1 zwischen den Pfosten, erst bei der WM 2006 löste ihn Jens Lehmann ab.

Die Spiele des Schalkers in Südafrika haben Joachim Löw überzeugt. «Manuel Neuer hat eine hervorragende WM gespielt. Es war sein erstes großes Turnier, und es waren die ersten wichtigen Länderspiele. Da gab es überhaupt keine Zweifel an seiner Leistung», erklärte der Bundestrainer in Frankfurt/Main. Neuer soll alle Pflichtspiele auf dem Weg zur EURO 2012 in Polen und der Ukraine bestreiten, wenn er gesund und in Form bleibt. Der Leverkusener René Adler und der Bremer Tim Wiese, die Löw zur «gemeinsamen Nummer 2» ernannte, werden in Freundschaftsspielen «zu ihren Einsätzen kommen», verriet der DFB-Chefcoach.

«Ich habe eine gute WM gespielt, der Druck war riesengroß. Viele hatten mir das nicht zugetraut», sagte Neuer in der «Sport Bild». Eigentlich hatte Löw den Leverkusener Adler bereits zu seiner Torhüter-Stammkraft für das Turnier in Südafrika auserkoren. «Doch plötzlich gibt es eine neue Situation», machte Löw deutlich, dass auch auf der Torwart-Position viel passieren kann. Ein Rippenbruch brachte für Adler das schmerzhafte WM-Aus. Jetzt ist der Pechvogel wieder zurück im Nationalmannschafts-Kader, der sich für den Start der EM-Qualifikation in Belgien trimmt.

Mit elf Länderspielen und 945 Minuten führt Neuer die Rangliste der drei eingeladenen Torhüter vor Adler (9/765) und Wiese (3/180) an. «Wenn ich weiter Leistung bringe, sehe ich keinen Grund, warum der Bundestrainer etwas ändern sollte», erklärte der neue Schalker Kapitän, der nun auch im Nationalteam seinen Status ausbauen will. «Ich möchte für mich persönlich etwas aufbauen - und dazu gehört, dass ich in der Nationalmannschaft die Nummer 1 sein möchte.»

Schon am Freitag im Brüsseler Stadion «Roi Baudouin» muss sich Neuer neu beweisen. «Wir freuen uns auf die Spiele und wissen, dass es zur Sache gehen wird. Wir müssen uns für die EM qualifizieren», erklärte der Gelsenkirchener. Wie eng gerade beim Torhüter Stolz, Freude und Schock zusammen liegen, erlebte zuletzt Wiese in Dänemark.

Beim 2:2-Test nach der WM hatte der 28-Jährige fast das gesamte Spiel über mit tollen Reflexen und Paraden geglänzt, um schließlich kurz vor Schluss mit einer falschen Entscheidung noch den Ausgleich der Dänen zu ermöglichen. «Das ist natürlich bitter, aber ein Torhüter darf sich halt keine Fehler erlauben», sagte Wiese, der weiter seine Chance im DFB-Team suchen will. «Das ist ein Luxus- Thema», sagte Löw. Alle drei Torhüter «haben internationales Format», unterstrich der 50-Jährige.