Berlin (dpa) - Die Funkausstellung wird spannend: Unter dem Berliner Funkturm versammeln sich so viele Aussteller wie noch nie, und pünktlich zur IFA ist der Kampf um die Zukunft des Fernsehens voll entbrannt.

Von Freitag an können sich die Besucher Neuheiten wie 3D-TV und Hybrid-Angebote aus Fernsehen und Online-Video ansehen. Zeichen für den Boom der Heim-Elektronik ist die Rekordzahl von 1423 Ausstellern. Das sind 22 Prozent mehr als vor einem Jahr, zuvor hatten die Veranstalter nur ein Zehntel mehr erwartet. Die Ausstellungsfläche ist um elf Prozent gewachsen. Bis Mittwoch nächster Woche werden 230 000 Besucher erwartet.

Erfasst wird die IFA auch von dem Kampf um die Neuordnung der Fernsehbranche. Das Internet stürmt die letzte Bastion der Medienindustrie, die es noch nicht umgekrempelt hat: Den klassischen Fernsehempfang. Die Vision ist, dass der Zuschauer nahtlos zwischen TV-Sendungen und Online-Video wechseln kann.

Für die Verbraucher bedeutet das mehr Auswahl im TV - und die meisten werden sich wieder einmal neue Geräte besorgen müssen. Über die Verschmelzung von Fernsehen und Internet-Video wird seit Jahren gesprochen, doch jetzt kommt auf einmal richtig Schwung in die Entwicklung. Die Anbieter überschlagen sich mit Angeboten, jeder will sich sein Stück Neuland sichern.

Der Branchenriese Sony nutzte die IFA, um mit einem neuen Musik- und Videodienst den Branchenführer Apple anzugreifen. Sony-Chef Howard Stringer kam persönlich nach Berlin, um den Dienst mit dem Namen Qriocity vorzustellen. Die Nutzer sollen unbegrenzten Zugang zu Musik und Videos bekommen. Andres als bei Apples iTunes werden die Inhalte nicht auf die Geräte heruntergeladen, sondern direkt aus dem Netz abgespielt («Streaming»).

Der Zeitpunkt war mit Bedacht gewählt: Nur wenige Stunden später stellte Apple-Chef Steve Jobs in Kalifornien Neuheiten vor. Apple macht ebenfalls Druck im Videogeschäft mit einer deutlich verbilligten Version der Wohnzimmer-Box Apple TV und dem Online-Verleih von Serien-Folgen für nur noch je 99 US-Cent. Auch die Spitzenposition bei mobiler Unterhaltung will Apple verteidigen und geht mit einer runderneuerten iPod-Palette ins Weihnachtsgeschäft.

In Deutschland verbinden das ZDF und die Senderkette ProSiebenSat.1 auf Basis des neuen Standards HbbTV ihre Programme mit Online-Videotheken. RTL bietet einen neuen «Digitaltext» unter anderem mit Videoclips aus dem Netz an. HbbTV ist ein europäischer Hybrid-TV-Standard, mit dem Sender und Gerätehersteller ein Formatchaos vermeiden wollen.