Frankfurt/Main (dpa) - Sie ist uralt, aber hochmodern: Die Frankfurter Wertpapierbörse gibt es seit 425 Jahren. Mit einem Festakt erinnerten Börsianer und Banker am Freitag an den 9. September 1585. Damals setzten Händler am Messestandort Frankfurt einheitliche Wechselkurse für Münzen durch.

Sie wollten damit Wucher und Betrug ein Ende setzen und gaben so zugleich das Startsignal für die spätere Frankfurter Wertpapierbörse. Heute läuft der Handel zwar fast vollständig über Computer, aber das Prinzip von Angebot und Nachfrage war vor 425 Jahren dasselbe wie heute.

Dieses Prinzip eines mit Augenmaß regulierten Marktes habe sich auch in der jüngsten Krise bewährt, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse AG, Reto Francioni, auf dem Frankfurter Börsenparkett. «Die Probleme sind auf außerbörslichen, unregulierten Märkten entstanden. Hier gilt es regulatorisch nachzubessern. Da werden wir uns als Börse einbringen.»

Die EU will beispielsweise bei der Kontrolle des Derivatehandels bald Nägel mit Köpfen machen. Nach den Plänen sollen die äußerst komplexen und als hochriskant geltenden Finanzinstrumente weitgehend standardisiert, an die Börse gebracht und über zentrale Stellen abgewickelt werden.

In Frankfurt traf sich seit der Initiative der 84 Händler vom Herbst 1585 regelmäßig zur Messezeit ein Kreis von Kaufleuten, um im Währungsverkehr die einheitlichen und verbindlichen Preise zu aktualisieren. Die Bezeichnung «Burs», also «Börse», ist für diese Versammlung seit 1605 schriftlich belegt.

Damit zählt Frankfurt zu den ältesten Börsenplätzen der Welt. Die erste Börse wurde 1409 im belgischen Brügge gegründet, wo wohl auch der Name «Börse» entstand: Vor dem Haus der Familie Van der Beurse, die in ihrem Wappen eine Geldbörse führte, trafen sich Händler zum Tausch von Waren. In Deutschland entstanden die ersten Börsen 1540 in Augsburg und Nürnberg.

Vor gut drei Jahren wurde der historische Handelssaal für fünf Millionen Euro renoviert. «Für uns ist das keine Fernsehkulisse und kein Museum, dieser Handelssaal ist ganz klar ein Teil der Marktstruktur der Frankfurter Wertpapierbörse und das soll auch so bleiben», betonte Börsenvorstand Frank Gerstenschläger, der zugleich Vorsitzender der Geschäftsführung der Frankfurter Wertpapierbörse ist. Rund 400 000 Finanzprodukte werden an der Frankfurter Börse gehandelt, die Aktien von mehr als 10 000 Unternehmen aus 70 Ländern sind notiert.